Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 154
(PDF, 113 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0154
154 Reiſebilder.

Hier in dem lorbeerumbuſchten Garten an der Sorgue,
in dem „Hortulus qui fontibus imminet ac rupibus sub-
jacet'“ blieb mir denn wiederum nichts übrig, als dem
Meiſter Francesco Petrarca eine Stunde der Erinnerung
zu widmen.
Er war ein Mann eigenen Schlages, der große „Rima-
tore“ und „Sonettatore“; ſelten wird ein Poet in ſo man-
nigfaltigem, chamäleontiſch farbenſchillerndem, wider-
ſpruchsvollem Bild auf die Nachwelt übergehen.
Die große Menge, die ſeinen Namen als einen be—
rühmten auf der Zunge führt, weiß freilich wenig an—
deres von ihm, als daß er in ſeinen jungen Tagen nach
Avignon kam und alldort — wie das Baſler „Hiſtoriſch—
geographiſche Lexikon“ von 1736 treffend bemerkt, „mit
Laura, einem Frauenzimmer, bekannt wurde, welche er
gar ſehr liebte und in ſeinen Schriften auf eine ungemeine
Art herausſtrich“.
Andere wiſſen dann noch weiter, daß er für dieſe Laura
über zwanzig Fahre lang ſchwärmte, bis ſie, von der Peſt
hinweggerafft, ihm entriſſen ward; daß er dann nach
ihrem Tode, wie das Leipziger „Konverſationslexikon“
ergreifend zu berichten weiß, „für alles dankte und wieder
nach Avignon ging, wo er am Grabe ſeiner Laura ab—
wechſelnd dichtend weinte und weinend dichtete“ — ja,
daß er durch die Maſſe von Sonetten und andern rime,
die er behufs der „Herausſtreichung“ ſeiner Angebeteten
fertigte, nebenbei auch Schöpfer einer italieniſchen Lyrik
und Dichtungsſprache ward.
Belehrt man ſich dann des näheren über jenes Ver—
hältnis zur Laura, ſo findet man in beſagter Konverſa—
tionslexikonsüberlieferung eine ſo glänzende, herzrührende
Schilderung, daß man begreift, wie der Wirt zu Vaucluſe
noch fünf Jahrhunderte nach dem beiderſeitigen Tod ein
ſolches Liebespaar auf dem Schilde ſeines Gaſthofes ver⸗
ewigen konnte. Es wäre unrecht, hier zu verſchweigen,
was das unvermeidliche Leipziger Lexikon hierüber des

1 „Gärtlein, das über Quellen hängt und unter Felſen liegt.“

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