Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 158
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0158
158 Vellebilder.

Wie kann man noch mit Seelenruhe im Gaſthof „Zur
Laura und zum Petrarca“ frühſtücken, nachdem nach—
gewieſen iſt, daß „ſeine und Lauras Liebe ohne Zweifel
in der erſten Zeit wahr geweſen, aber gleich von Anfang
an etwas Ungeſundes, Eiftiges in ſich trug“, daß ihn „nur s
die Eitelkeit in dieſe Leidenſchaft hineinriß, nur Eitelkeit
und das ſchlaue Betragen der Laura darin feſthielt?“
Wie noch das Haus an der Sorgue betreten, wenn
man weiß, daß der Sänger, während er ſeine ätheriſchen
Sonette ſchuf, darin mit einer Haushälterin gewirtſchaftet,
ja, daß er 1337 durch die Geburt eines natürlichen Sohnes
überraſcht ward, nicht von Laura, ſondern von einer an⸗-
dern „Perſon“ in Avignon, den man ins Kirchenbuch ein—
trug als natus de soluto et soluta? Wie noch ſeine vier-
zehnzeiligen Ergüſſe leſen, jene „ſinnliche Troubadour-
tändelei ohne Sinn und Gehalt, bloß für den Schein und
die äußere Form bearbeitet“? Wie ſeine patriotiſchen
Briefe, wenn er ſich anerkanntermaßen „zu einer poli-
tiſchen Geſandtſchaft hergegeben, die auf ſeine Ehre ent-⸗
weder in Hinſicht auf ſeine Moralität oder ſeinen Verſtand 20
einen häßlichen Flecken wirft?“
Armer Petrarca, eiferſüchtiger, neidiſcher, ſchmeicheln⸗
der, kriechender, ſophiſtiſcher Windmacher, ſelbſt in das La⸗
boratorium deiner Gedanken iſt man eingedrungen und hat
die Rezepte gefunden, wie du deine Dichtungen gefertigt! 25
Und es iſt nicht zu leugnen, daß es ſehr komiſch klingt,
wenn man lieſt: „Ich habe dieſes Sonett auf Antrieb des
Herrn angefangen den 10. September bei Tagesanbruch
nach meinen Morgengebeten.“ — „Ich werde dieſe zwei
Verſe von neuem machen müſſen und ſie ſingen und ihre 20
Folge umkehren. Drei Uhr morgens, 19. Oktober.“ —
„Dieſes gefällt mir. 30. Oktober, zehn Uhr morgens.“ —
„Nein, dieſes gefällt mir nicht. 20. Dezember, abends.
Ich werde darauf zurückkommen; man ruft mich zum
Eſſen.“ — „18. Februar, gegen neun Uhr: Jetzt geht 25
dieſes gut, dennoch ſieh ſpäter noch einmal nach'¹!“

1 Auch dieſe Stellen ſind ebenſo wie das folgende Briefſtück aus Ruth
(a. a. O., S. 566 f.) entnommen.

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