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Ein Tag am auell von Vaueluſe. 159
Armer Petrarca, was das ärgſte iſt, nicht einmal ita-
lieniſche Proſa haſt du zu ſchreiben vermocht! Was für
eine ſchlechte Epiſtel haſt du an deinen Freund Jakob Co⸗
lonna, den Biſchof von Lombez, am 10. Funi 1338 ge—
5 ſchrieben! „Godo en queste amene solitudini de Valclusa
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una dolce et imperturbata tranquillità, el virtuoso et
placidissimo otio de miei studj; el tempo che mi vaca
de le volte passo a Cabrieres per diportarme! Ah! se
Vi fosse licito, Misser Jacomo, el dimorare en la dicta
Valle, di certo Vi rincrescereste di tutto el mondo, non
che de la Corte del Papa. Son fermo en la deliberatione
di non più rivederla.“
Weißt du, Petrarca, wie das klingt?
„Seine Sprache, die in den Sonetten den höchſten
Grad von Feinheit, Eleganz und Korrektheit erreicht hat,
ſteht in den Briefen in dieſer Hinſicht nicht nur weit unter
der Proſa Dantes und Boccaccios, ſondern ſelbſt der ge⸗
ringern Dichter, ſo daß man einen ganz andern Schrift-
ſteller zu ſehen vermutet.“
Kurzum, es bleibt dem armen Meiſter nichts übrig,
als hinzugehen zu den parnaßhütenden Drachen und um
Verzeihung zu bitten, daß er überhaupt je gelebt und daß
er „leider auf die italieniſche Poeſie einen unberechenbaren
Einfluß ausgeübt“ — und ſich zu bedanken für die gnädige
Strafe; denn wenn man erwägt, daß ſeine Sonette die
Schuld tragen, daß „durch dieſe armſelige Form das ita⸗—
lieniſche Volk mehrere Fahrhunderte lang in Lethargie
verſenkt ward“, ſo ſollte von Rechts wegen ſein Andenken
gebrandmarkt, ſeine Aſche in die Winde zerſtreut, ſein
Haus an der Sorgue dem Boden gleichgemacht, der Quell
von Vaucluſe mit Kupfervitriol zerſetzt und das ganze
Tal polizeilich abgeſperrt und ſeine Betretung bei Strafe
unterſagt werden.
Armer Petrarca, warum haſt du dein Leben nicht
55 anders eingerichtet, daß dich die deutſchen Unſterblich—
keitsregiſtratoren gnädiger behandelten? Es wäre nicht
ſo ſchwer geweſen, ihren Beifall zu verdienen. Warum
haſt du nicht mehr Hunger, Durſt, Dachſtubenentbehrun-
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