Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 164
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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164 Keiſebild er.

Avignon! wenn du wüßteſt, was für Freuden am Lebens⸗
weg eines Poetleins des neunzehnten Fahrhunderts wach—
ſen, wenn du wüßteſt, was für böſe, böſe Männer in

Leipzig und anderwärts hauſen, die unſereins wie die Sar-

dellen behandeln, die Köpfe abſchneiden, das Herz aus—
weiden, ranzig Ol über uns gießen und Leiche an Leiche
in die Totenſchreine ihrer Geſchichtskompendien einmari—
nieren, — wenn du wüßteſt, wie wenig es ſich, wofern
du nicht wenigſtens ‚bürgerlicher Realitätenbeſitzer' biſt,
rentiert, wenn‚ein waltender Gott den hohen Geſang
dir verliehn hat’, wie die Laura von heutzutage, und
wenn du eine Million Sonette zu ihrem Preis ſängeſt, dir
doch einen Korb gibt, um dem Salomon Alpari oder
einem andern ſtreitbaren Mann vom Crédit mobilier die
Hand zu reichen:... ich zweifle, wackerer Godefroi Le—
fort, ob du noch einmal ſagen würdeſt: ‚Ca me parait bien
belle chose, d'être poëte!““
Den Lorbeerzweig aus VBaucluſe aber habe ich unver—
ſehrt in die Heimat eingebracht und der Sammlung an—
derer ſelbſterrungener Reichskleinodien von gleich realem
Wert einverleibt.
— Ich hielt die Merkwürdigkeiten von Vaucluſe für
erſchöpft, als ich meinen Schritt von Petrarcas Haus zum
Gaſthof zurücklenkte.
Aber das alte Kirchlein des heiligen Veranus am Ein—
gang des Ortes lag allzu maleriſch und anmutend da, als
daß ich es unbeſucht laſſen konnte.
Seine Formen ſind einfach, frühromaniſch, durch ſpä—
tern Überbau teilweiſe verdeckt; ein Glockenturm ohne
Dach, an deſſen einer Seite eine erhöhte Giebelwand zur
Aufnahme der Glocke beſtimmt iſt, gibt ihm einen eigen—
tümlichen Charakter. In feinen Linien erhebt ſich über
der Kirche der felſige Hügel mit den hellglänzenden Rui—
nen des Schloſſes, hoch und kahl ſchließen die ſenkrecht
emporſtarrenden Kalkwände, aus deren Schluchten der
Quell entſtrömt, den Hintergrund... ein ganz ſüdliches
Bild, darin die Wildnis des nackten Gebirges von den
verſchiedenen Architekturen pikant unterbrochen wird.

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