Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 170
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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170 Reiſebilder.

mals aber oder nur ſehr ſelten: Heilen. Alles aber ſitzt
eifrig am Büchermachen, in keinem Jahrhundert war
ſolcher Überfluß an Schreibenden und Lehrenden, ſolcher
Mangel an Wiſſenden und Beredten. Darum trifft dann
wiederum ein, was Cicero ſagt: ‚Und ſo müſſen ſie ihre
Bücher ſelber mit ihren Angehörigen leſen, und kein an—
derer greift danach als die, die dieſelbe Freiheit des Schrei⸗
bens für ſich in Anſpruch nehmen. Und die Zahl dieſer
iſt leider heutzutag größer als zu Ciceros Zeit, alle wollen
ſie jene Freiheit, und ſo machen ſie einander gegenſeitig
Mut und treiben einander an, indem ſie hohles Zeug
ſchreiben, hohles Zeug loben und durch falſches Lob an⸗
derer ſelbſt wieder Lob ergarnen.

„Bei dieſer Frechheit der Schriftſteller und dieſer Kon⸗

fuſion der Dinge weiß ich nicht, wie lang' es dir bei deinem
Bücherſchreiben gefallen wird.“
Gaudium. „Ich ſchreib' eben doch Bücher.“
Ratio. „Du würdeſt beſſer tun, zu leſen und das Ge—
leſene zu Regeln des Lebens umzuwandeln. Dann erſt
wird die Kenntnis der Schriften von Nutzen, wenn ſie
zur Tat übergeht und ſich praktiſch bewährt, nicht mit
Worten.
„Im andern Fall geht oftmals in Erfüllung, was ge—
ſchrieben ſteht: Wiſſenſchaft macht aufgeblaſen!
Vieles und Großes klar und ſchnell auffaſſen, hartnäckig
im Gedächtnis bewahren, beredt ausſprechen, kunſtreich
niederſchreiben und angenehm wiedergeben: was iſt all
das, wenn es nicht aufs Leben bezogen wird, anders als
Werkzeug unnützen Überhebens, leere Mühſal und Ge—
räuſch?“
Gaudium. „Ei was, ich ſchreibe.“
Ratio. „O wie wäre dir beſſer, das Feld zu pflügen,
Vieh zu weiden, Leinwand zu weben, Seemann zu wer—
den. Viele, die die Natur zu mechaniſchen Künſten ge—
ſchaffen, treiben wider Trieb und Neigung Philoſophie.
Und im Gegenteil, andre, zur Philoſophie Taugliche hat



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das Schickſal auf Feld und Weide geboren werden laſſen,

oder hält ſie auf den Schemeln der Handwerker, auf den


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