Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 174
(PDF, 113 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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174 Reiſebilder.

Des Franceseco Petrarea Sendſchreiben an den Kar⸗
dinal Giovanni Colonna, die Beſteigung des Mont
Ventoux betreffend.

„Epistolar. lib.“ IV, ep. 49.

„Den höchſten Berg unſrer Gegend, der nicht unver-

dienterweiſe der windige (ventosus) genannt wird, habe
ich geſtern beſtiegen, lediglich aus Verlangen, die nam—
hafte Höhe des Ortes kennenzulernen.
„Seit langen Fahren lag mir dieſe Wanderung im
Sinn; denn von Jugend an bin ich in dieſen Gegenden,
wie du weißt, vom Schickſal, das die Dinge des Menſchen
umtreibt, umhergetrieben worden.
„Jener Berg, weit und breit ſichtbar, ſtund mir faſt
allzeit vor Augen, allmählich ward mein Verlangen un—
geſtüm, und ich ſchritt zur Ausführung, insbeſondere nach⸗
dem ich tags vorher bei Leſung der römiſchen Geſchichte
im Livius auf jene Stelle geſtoßen war, wo Philipp, der
König von Makedonien, der mit dem römiſchen Volke
Krieg führte, den Berg Hämus in Theſſalien beſteigt, von

deſſen Gipfel zwei Meere, das Adriatiſche und der Pontus

Euxinus, ſichtbar ſein ſollen: ob dies nun richtig oder



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unrichtig iſt, hab' ich nicht in Erfahrung gebracht, die Ent-

fernung des Hämus von unſerm Erdteil und die Mei⸗-
nungsverſchiedenheit der Schriftſteller macht die Sache
zweifelhaft, Pomponius Mela, der Kosmograph, meldet
ohne Bedenken, daß dem ſo ſei, Livius hält die Sage für
falſch... ſo viel aber weiß ich, wenn der Hämus ſo in
meiner Nähe läge wie der Mont Ventoux, würde ich die
Sache nicht lange im unklaren ruhen laſſen.
„Um nun — jenes dahingeſtellt, auf beſagten Mont
Ventoux zurückzukommen, ſo ſchien mir, was bei einem
greiſen Könige nicht zu tadeln iſt, auch bei einem jungen
für ſich lebenden Manne zu entſchuldigen.
„Da ich mir aber die Wahl eines Reiſegefährten über-
legte, ſchien kaum irgendeiner meiner Freunde allſeitig
paſſend dafür; ſo ſehr iſt auch unter Naheſtehenden jene
genaueſte Übereinſtimmung des Gemütes und der Le—

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