Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 175
(PDF, 113 MB)
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Ein Tag am Quell von Vauecluſe. 175

bensweiſe eine ſeltene; der eine erſchien mir ſäumiger,
der andre wachſamer, der eine langfamer, der andre
ſchneller, der eine trauriger, der andre fröhlicher, der eine
dummer, der andre klüger, als ich wünſchte; bei dem einen
sͤ ſchreckte mich die Schweigſamkeit, beim andern die Ge—
ſchwätzigkeit, beim einen ſeines Leibes Gewicht und Fette,
beim andern die Magerkeit und Schwäche, — hier war
die kühle Gleichgültigkeit, dort die allzu hitzige Tätigkeit
zu bedenken — kurz, was man zu Hauſe geduldig hin—
io nimmt — denn die Liebe erträgt ja alles, und die Freund-
ſchaft weigert ſich keiner Laſt — dasſelbe wird auf der
Reiſe oftmals erdrückend.
„Alſo wog mein Gemüt zarterweiſe bei dieſem Wunſch
einer ehrbaren Vergnügung alles ab — ohne Verletzung
15 der Freundſchaft, und ſuchte ſchweigend alles, was der
vorgenommenen Reiſe läſtig werden konnte, fernzuhalten.
„Kurz und gut, endlich warb ich häusliche Hülfstrup—
pen und eröffne meinem jüngern Bruder, den du wohl
kennſt, die Sache. Dem konnte nichts fröhlicher kommen;
20 er wünſchte ſich Glück, zugleich Bruders und Freundes
Stelle bei mir einzunehmen.
„Am beſtimmten Tag zogen wir von Hauſe ab und
kamen gegen Abend nach Maloncenes (Malaſauna).
Dieſer Ort liegt an den Abhängen des Berges gegen Nor-
25 den; dort verweilten wir einen Tag, und heute endlich be⸗
ſtiegen wir mit etlichen dienenden Leuten den Berg, nicht
ohne große Schwierigkeit, denn er iſt eine ſteile und kaum
zugängliche Maſſe felſigen Terrains. Aber der Dichter
ſagt: „Labor improbus omnia vincit“. Der Tag war
zo lang, die Luft mild, die Gemüter waren entſchloſſen, die
Körper ſtark und geübt im Marſchieren; nur die Natur
des Ortes ſchuf uns Hinderniſſe.
„In den Schluchten des Gebirgs trafen wir einen
alten Hirten, der verſuchte mit viel Worten uns von der
35 Beſteigung abzubringen und ſagte, er ſei vor ſchier fünf—
zig Fahren in demſelben Drang jugendlichen Feuers auf

1 Die unabläſſige Arbeit beſiegt alles“ (ungenau nach Virgils „Georgica“
1, 145 f.: „Labor omnia vicit improbus“).


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