Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 180
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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180 Reiſebilder.

daß noch andere Orte paſſender ſeien, ſich mit Sorgen zu
plagen, und bis ich das betrachtete, deſſen Anblick zulieb
ich heraufgeſtiegen. Denn ſchon war es Zeit, zurückzu⸗
kehren, die Sonne neigte ſich, der Schatten des Berges
wuchs mächtig und gemahnte mich gleichſam, aufzuwachen.
Da wandte ich mich rückwärts und ſchaute nach Weſten.
„Jener Grenzwall zwiſchen Frankreich und Spanien,
die Gipfel der Pyrenäen, werden von dort aus nicht ge—
ſehen — nicht als ob ein fremder Gegenſtand dazwiſchen
ſtünde, ſondern nur wegen der Unzulãnglichkeit des menſch⸗
lichen Auges.
„Zur Rechten aber waren die Berge der lyoniſchen
Provinz, zur Linken der Meerbuſen von Marſeille und
die etliche Tagereiſen entfernten Gewäſſer von Aigues—
Mortes aufs deutlichſte ſichtbar; die Rhone ſelbſt ſtrömte
vor unſern Augen.
„Wie ich nun dies im einzelnen bewunderte und bald
mich nach irdiſchen Dingen erkundigte, bald nach Vorbild
des Leibes auch den Geiſt in höhere Sphären verſetzen

wollte: kam mir zu Sinn das,‚Buch der Bekenntniſſe des?

Auguſtinus, das mir deine Güte einſt verehrt und deſſen
ich mich zur Erinnerung an den Geber bediene, aufzu—
ſchlagen — ein erprobtes Werklein, das ich allezeit zu
Handen führe, klein von Umfang, aber unſäglich ſüß von
Inhalt. Ich ſchlage es auf, um zu leſen, was mir ent—
gegentreten würde — denn auf was anderes als etwas



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Frommes und Ergebenes könnte ich wohl ſtoßen? Zu-

fällig griff ich das zehnte Buch jenes Werkes heraus. Mein
Bruder, erwartungsvoll, aus meinem Munde etwas von
Auguſtinus zu vernehmen, ſtund mit geſpannter Aufmerk⸗-
ſamkeit; — ich rufe Gott an und ihn ſelber, der bei mir

war — wie ich die Augen auf das Blatt ſenkte, ſtund ge-⸗

ſchrieben: Et eunt homines admirari alta montium, et
ingentes fluctus maris et latissimos lapsus fluminum et
oceani ambitum et gyros siderum et relinquunt se ipsos*’.

* Da gehen die Menſchen, die Höhen der Berge zu bewundern
und die Fluten des Meeres, die Strömungen der Flüſſe, des Ozeans
Umkreis und der Geſtirne Bahnen, und verlieren dabei ſich ſelber.

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