http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0184
184 Reiſebllder.
Rosheim Hausrauch haben“, mit Ausnahme dreier Höfe,
„die des Graven Hugo waren und ſeiner Erben“. Er
hatte ſich am Sankt Odilientage zur Huldigung auf dem
Berge einzufinden und die Nacht zu wachen, daß kein
Unfug geſchehe von den Pilgern mit Feuer oder „anderer
Unfüge, davon das Kloſter und der Berg möchten zu
Schaden kommen“. Der Heimbürge, den die Abtiſſin als
Beamten ſetzte, hatte zu wachen über Maß und Gewicht,
über Markt und Weinkauf, hielt Ruggericht zu Feld,
Reben und Wald und über alles, das unter einem Schil⸗
ling zu richten iſt, und „wenn die Stadt ausziehet mit
dem Heerwagen, des ſoll er pflegen“.
Den Text des in ſeinen altdeutſchen Rechtsanſchau⸗-
ungen und Sprachformen gleich merkwürdigen Weis—
tums, „des frien Dinghofes zu Rosheim gelegen, welcher
zugehört dem Kloſter Hohenburg“, hat der gelehrte Abho
Hanauer aus den Archiven des Domkapitels Straßburg
ſeinem Werke „Les constitutions de campagnes de l'Al-
sace“, Paris 1864, einverleibt.
Aus bäuerlicher Kloſtervilla zur hohenſtaufiſchen Stadt
herangewachſen, erlebte Rosheim im Jahre 1212 einen
ſchweren Überfall und Straßenkampf durch die Lothrin-
ger. Als der Hohenſtaufe Friedrich II. 1212 zur Herrſchaft
gelangte, ſetzte er Rosheim dem Herzog Friedrich von
Lothringen als Pfand ein für ein Darlehen von 4000 Mark
Silbers, zog es aber nach deſſen Tode zurück. Thiebald,
des Lothringer Herzogs Sohn, ſchwergekränkt, ſandte
ſeinen Marſchall Lambyrin von Ourches mit einem Heer
durch das Breuſchtal vor, die Stadt wurde mit Handſtreich
genommen, die Bürger flüchteten in die Kirchen, aber
die Lothringer, „bäuriſche Kriegsleute“, wie der Chroniſt
ſpottend ſagt, „die nur ſo viel vom Wein wiſſen, als ſie
davon geleſen haben, und leſen verſtehen ſie nicht“, taten
des Guten zuviel in den reichgefüllten Weinkellern, ſo
5
10
—
5
25
30
daß Ritter Otto von Rosheim ſeine Mitbürger mit muti- 35
gem Zuſpruch zu den Waffen rufen, die trunkenen Sieger
überrumpeln und nach Erſchlagung vieler ſchmählich
wieder hinauswerfen konnte.
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0184