Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 185
(PDF, 113 MB)
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Skizzen aus dem Elſaß. 185

Der Mönch Richerius, der damals in der vogeſiſchen
Abtei Senones ſein Chronicon ſchrieb, hat dieſen „Tu—
multus“ beſchrieben, und der wenig gekannte, aber nicht
unbegabte unlängſt verſtorbene elſaſſiſche Schriftſteller
Richard hat in ſeinem heimatlichen Roman „Kaisersburg
en Alsace“ den ſtreitbaren deutſchen Rittersmann Otto
von Rosheim in franzöſiſcher Sprache verherrlicht.
1215 ſcheinen Handel und Wandel erfreulich geblüht
zu haben, da uns die Urkunde 401 in Schöpflins „Alsatia
diplomatica“ belehrt, daß Abt und Konvent von Sankt
Leonhard Kelche, Meßgewänder und Meßbücher bei den

„Judaei in Rocksheim“ in Verſatz hatten. 1248, in der

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kaiſerloſen, der ſchrecklichen Zeit, waren die alten Rechte
und Einkünfte des Stiftes Hohenburg auf den Rosheimer
Beſitzungen gefährdet, da die ritterlichen Dienſtleute ſo
viel an ſich zogen, daß bei dem Papſt Klage geführt wer⸗
den mußte und der Dekan Wolfhelm zu Sankt Thomas
in Straßburg als päpſtlicher Richter einen eindringlichen
Erlaß an den Schultheiß richtete.
Wir haben nicht Zeit, den Staub der Pergamente
weiter aufzuwirbeln, noch den in einer deutſchen Inſchrift
auf dem Rathauſe verewigten Schmerz zu erneuen, den
am 6. Juli 1622 Mansfelds erzürnte Soldateska mit
Feuer und Schwert dem Städtlein zufügte — und wen⸗-
den uns ſofort zu dem einzigen, aber hochmerkwürdigen
Denkmal mittelalterlicher Kunſt in Rosheim, der Kirche
der Heiligen Petrus und Paulus. Es iſt ſtill auf ihrem
Platze; den Hör- und Sehbedürfniſſen des heutigen Tages
entſpricht mehr die neuere Pfarrkirche zum heiligen
Stephan, aber kein Freund romaniſcher Bauweiſe, der
im Elſaß reiſt, ſollte die Rückreiſe antreten, ohne hier
ſeinen Beſuch abgeſtattet zu haben.
In Kreuzesform regelmäßig angelegt, techniſch wie
aus einem Guß ausgeführt, nichts von dem ängſtlichen,
mönchiſch Gedrückten anderer romaniſcher Bauten kund—
gebend, in edler Goldbräune gelblichen Vogeſenſand—

ſteines des Quaderwerkes feinen Fugenſchnitt mehr wie

gelötet denn gemauert aufzeigend, die Außenwände von


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