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1888 Reiſebilder.
Glücklicherweiſe haben unſere Kunſtforſcher Lübke und
Laſius in Förſters „Allgemeiner Bauzeitung“, Fahrgang
1866, das Syſtem der Rosheimer Kirche und Einzelheiten
wie das Menſchenhauptkapitäl, das Lindenlaubkapitäl, die
hockenden Geſtalten, welche die Konſolen der Gewölbe—
anſätze ſtützen, unter anderem in ſo genauen Aufnahmen
dargeſtellt, daß uns das im Innern herrſchende Dunkel
nichts Ungekanntes verhüllt.
Eine mit Geſchmack und Pietät geleitete Wiederher-
ſtellung verdankt die Kirche dem Stadtbaumeiſter von
Schlettſtadt, Herrn Ringeiſen. Haupt- und Seitenaltäre
wie die Kanzel ſind im alten Stil erneut, die Glasfenſter
von Petit-Gérard, die im Chor vor dem Erlöſer knienden
Schutzheiligen Petrus und Paulus in Fresko gemalt von
Richomme. G
KRKätſelhaft wie die Kunſtform iſt auch die Geſchichte
des Baues. Italieniſche Meiſter ſollen ihn nach dem Vor⸗
bild des Domes zu Ancona erbaut, der dem elſaſſiſchen
Geſchlecht der Grafen von Dachsburg entſtammte Papſt
Leo IX., als er 1049 ſein Heimatland beſuchte, ihn ein—
geweiht haben. Eine Bulle dieſes deutſchen Papſtes
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Leo IX. von 1051 iſt in Schöpflins,Alsatia diplomatica“,
Nummer 209, nachzuleſen. Die neuere Forſchung ſetzt
die Ausführung der Kirche in das zwölfte Fahrhundert.
Urkundlich beſtanden ſchon 1137 in Rosheim die obere
Pfarrei zu Sankt Stephan, die untere zu Sankt Peter und
Paul, und zwar letztere unter dem Patronat der Abtei
Haute Seille.
Der allzeit zu Erdichtungen bereite Volksgeiſt hat ſich
mit wenig Bedenken aus einer Kombination der Skulp—
turen die Bauſage der Kirche vollſtändig zurechtgelegt.
Betrachten wir nämlich die Steinplatten des Dachanſatzes,
da, wo der achteckige Turm zwiſchen Lang- und Querſchiff
aufſitzt, näher, ſo ſitzen dort in Lebensgröße zwei menſch—
liche Figuren, einmal, nach Nord ſchauend, den rechten
Fuß rechtwinklig gebeugt, unter dem linken Bein durch—
geſchlagen, barhäuptig ein Alter, der mit der rechten Hand
den langen Bart zu ſtreichen oder zu raufen ſcheint und
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