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190 Reiſebilder.
gen Peter- und Paulskirche ſchöpfen, ſcheiden wir von
dem im übrigen wenig Anlaß zu längerem Verweilen dar-
bietenden Städtlein; man ſcheint hier der Vorväter,
welche einſt die Kirche erbaut und geweiht und die Stadt
gegen die von jenſeits der Vogeſen verteidigt, wenig mehr
eingedenk, und was den Komfort der Wirtshäuſer betrifft,
ſo lautet er in anderer Rechtſchreibung: „Komm fort, bis
ein Gaſthof da iſt.“
II.
Lützelburg — Ratſamhauſen. Girbaden.
Rings um den Odilienberg zieht ſich nach allen Rich—
tungen eine Kette von Burgen, einige auf Vorſprüngen
des Gebirges, weithin ſichtbar, andere heimlich verſteckt
im Waldesdunkel, die meiſten nach ihrer urſprünglichen
Anlage zu Vorwerken des großen Verteidigungsſyſtems
der Heidenmauer beſtimmt, welches das Bergplateau der
heiligen Odilia in ſeiner vorklöſterlichen Zeit als von Na—
tur und ergänzender Menſchenhand befeſtigtes Lager und
Gauheiligtum zum Mittelpunkt hatte.
Zwiſchen Andlauertal und Barr ragen das doppel—
türmige Schloß Hohandlau und die ſchlanke Speßburg —
am Fuß des Männelſteins mit der feinen Rundbogen- und
Erkerfaſſade ſeines Ritterſaales Landsperg, der gelehrten
Abtiſſin Herradis Stammſitz — ſchwer findbar im düſtern
Forſt, durch den der Mörderpfad führt, und ganz von?
uralten Tannen verdeckt, Birkenfels; — ſodann, zu großem
Steinhaufen zuſammengeſunken, eher einem Waldklaus-
ner als fröhlichen Rittersmännern als Wohnſitz paſſend,
Kagenfels, vom Volke Hanfmatter Schloß genannt —
weiter gen Norden, unweit des noch an die große Heiden-5
mauer anſtoßenden Felſens Stollhafen, das gedreifachte
Felſenneſt „zu den drei Steinen“ oder Dreiſtein; — un—
weit des von einer römiſchen Lagermauer umſchloſſenen
Berges Köpfel auf zwei gewaltigen Kuppen, die ein
Mauerbogen kühn überſpannt, unzugänglich wie der Horſt
des Adlers im Bergwald, das Hagelſchloß, urkundlich
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