Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 193
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0193
Skizzen aus dem Eiſaß. 193

ein unheilbarer Riß vom Scheitel bis zum Grund klafft
und Einſturz droht.
Im zweiten Teil des vierſtockwerkigen Hauptbaues
oder Palas bezeichnet eine Reihe gewölbter Fenſter mit
5 Steinſitzen, ehedem „Baien“ genannt, den Ritterſaal. In
der Höhe des dritten Stockwerkes, wie in der Luft ſchwe⸗
bend, erſehen wir auch jene „charmante cheminée à co-
lonnettes romanes“, deren Eleganz einſt den künſtleriſchen
Freund des Odilienberges, Generalvikar Schir, entzückt
10 und die Geſellſchaft für Erhaltung der geſchichtlichen
Denkmale im Elſaß zu einer Wiederherſtellungsarbeit ver⸗
anlaßt hat: ein von romaniſchen Säulenpfeilern ge—
ſchmücktes Kamin mit einem Nebenfenſter mit reizender,
ſpitz zugehender punktierter Uberwölbung. Hieher mag
15 man als Staffage die anſpruchsvollen Damen und rauf-
luſtigen Herren jenes rauhen vierzehnten und fünfzehn—
ten Fahrhunderts denken, wo ſo ziemlich alle mit allen in
Händeln lagen, wo man ungeſtüme jüdiſche Gläubiger mit
dem Scheiterhaufen zur ewigen Ruhe brachte, wo das
20 Elſaß bald von engliſchen Prätendenten und Söldner-
banden, bald von armen Gecken und innern Raubfehden
ſo verwüſtet und geplündert wurde, daß die beſten Be—
wohner dieſer Feudalſitze nach heutigem Ordnungsbegriff
die beſten Kunden unſexer Schwurgerichte ſein würden.
25 Jetzt weiden braune Lämmer den verſchütteten Grund,
und nur der heiſere Schrei des Wanneweih bricht die Ein⸗
ſamkeit...
Lützelburg, das vordere Schloß, ebenfalls von einem
in den Sandſtein eingeſchroteten Burggraben wehrhaft
zo umſperrt, iſt kleiner als die nur auf Pfeilſchußweite von
ihr entfernte Hauptburg, ein viereckiger Steinklotz mit
quaderfeſt aufgeführtem Rundturm; die Mauern ſind bei⸗
nahe ohne Fenſter, roh gemauert; aus dem geräumigen
Burghof, in dem ein verlaſſenes Wohnhaus des derzeiti—
35 gen Beſitzers Herrn Fuchs von Illkirch ſteht, führt der
Eingang zur Burg über eine Art Brücke zwiſchen engen
Mauern hin; über dem Tor iſt als einziger Schmuck ſtatt
eines Wappens eine ausgehauene leere Niſche, wie ſie
Scheffel. IV. 13


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