Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 194
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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194 Reiſebilder.

auch an elſäſſiſchen Bauernhäuſern für die Hausheiligen be⸗

ſtimmt ſind. Die Sage vermeldet nichts von dieſer Lützel⸗
burg, die Geſchichte wenig. Vom Geſchlecht derer von
Lützelburg, die im vierzehnten Fahrhundert ausſtarben,
kam ſie an die Herrn von Andlau, dann ebenfalls an die
Ratſamhauſen, welche ſie im Burgfrieden mit Engelhart
von Nidekk, Jakob von Hohenſtein u. a. gemeinſchaftlich
beſaßen. Lehensherren waren die Kurfürſten von der
Pfalz. 1474 ſoll ſie von Kriegsleuten Karls des Kühnen
von Burgund eingenommen worden ſein.

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Vergeſſen wir den Trümmerwuſt entſchwundener Zei-

ten und halten wir fröhliche Bergraſt im Burghof unter
dem uralten, weißgebleichten, ganz ausgehöhlten und doch
wieder neu treibenden Nußbaum. Da ſchweift der Blick
in die langgedehnten, föhrendunklen Wälder ob dem
Klingental, nach den Höhen, die das Breuſchtal ſäumen,
und hinab in die reiche elſäſſiſche Ebene, über die gotiſchen
Doppeltürme der neuen Kirche von Oberehnheim hinweg
zum ſilbern blitzenden Rhein und hinüber zu den bekann—



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ten Schwarzwaldhöhen der Kinzigtalberge und des Knie- 20

bis ... Bienen ſummen über der von Lamium und
Plantago, Ranunculus und Ajuga kräftig durchblümten
Halde, in vollem Frühlingsgrün prangt das Buſchwerk
des Burggrabens, Linden, Ahorne, Holunder, blühende
wilde Apfelbäume, alles in wildverwachſenem Durchein—
ander, in Maienluſt und Maienbluſt, die Luft iſt mild und
ſtärkend, und der Friede Gottes ruht über uns und den
Bergen.
Das Buch des als Künſtler ſich ſelbſt mit radierten
Landſchaftsbildern rauh illuſtrierenden Elſäſſers Emanuel
Friedrich Imlin: „Vogeſiſche Ruinen und Naturſchön—
heiten“, hat uns in der Reiſetaſche heraufbegleitet.
Nicht ohne Rührung leſen wir in ſeinem, pindariſche
Form nachahmenden, holprigen Schlußhymnus:

„Auf den hohen Zinnen wurzeln Bäume.
In dem Kerker hauſt nun Kauz und Eule,
Alles mahnt hier an Vergänglichkeit.
Nur du, o Vogeſus, zeigeſt dich immer

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