Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 198
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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198 Reiſebilder.

hut, die Eule genannt, im Kreiſe herumging und der zum
erſten Male die Burg betretende Gaſt den Eulenkrug zu
leeren hatte. Wer aber den Eulenfederhut auffſetzte, durfte
ſein Schimpfſprüchlein ſagen, und wären Könige und
Kaiſer mit zu Tiſch geſeſſen.
Der Burg Niederbrennung und Zerſtörung ſcheint im
ſiebzehnten FJahrhundert durch lothringiſche Überrumpe-
lung erfolgt. Eine wildſchauerliche Sage berichtet, daß
noch jetzt, wenn es ſich jährt, um Mitternacht die Geiſter
der mordlich erſchlagenen Beſatzungsleute, unter denen
mit blutig ausgeſtochenen Aughöhlen und ohne Arme der
damals alſo verſtümmelte Burgamtmann den Vorſitz
führt, grauſiges Strafgericht abhalten über den verräte-
riſchen Knecht, der die lothringiſchen, als Bauern ver⸗
kleideten Soldaten nächtlich einließ.
Da es ſchon dunkelt und wir nicht wiſſen, ob nicht
gerade mit dem Tag unſeres Beſuches der Fahrtag des
ſchauerlichen Spukes ſich wiederholt, ſo überlaſſen wir,
ungerne ſcheidend, die Ruinen von Girbaden ihren Orts-
geiſtern und Geſpenſtern und gehen auf ſchmalem Fuß—
pfad den Höhenſaum entlang erſt zum Krappenfels, dann
zum „Chriſtkindelſtein“, dann hinüber zu dem von ge—
ſunder Bergluft umwehten hochgelegenen Flecken Gren-
delbruch, einſt Grindebroch geſchrieben, wo aus der zur
abendlichen Maiandacht beleuchteten Kirche ſpäter Ge—
ſang der Jungfrauen ſtimmungsvoll erſchallt und der
müde Wanderer in Fridolin Schallers gediegenem Gaſt—
hof freundliche Aufnahme und alles findet, was zu ſeiner
Erquickung not tut. —

III.
Der Odilienberg.

Eine Beſchreibung des altehrwürdigen und altberühm-
ten Odilienberges verſuchen, heißt eigentlich Eulen nach
Athen und Quader auf die Heidenmauer tragen. Dieſer
heilige Berg und ſeine Bergheilige haben eine Literatur,

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