Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 202
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0202
202 Reiſebilder.

Sandſtein frei aufſitzend, als ob ſie von Menſchenhand
hingeſetzt wären. Ein in den untern Fels eingeſchroteter
ſchmaler Durch- und Ausgang ermöglicht durchzukriechen.
Von hier betritt man die früher oft von ſchädlich wüh—
lenden Wildſchweinen heimgeſuchte Hochebene Bloss und
erfreut ſich des wahrhaft maleriſchen Vordergrundes, den

die Heidenmauer zu dem im Mittelgrunde auf ſeiner

braunroten Felswand ſtattlich emporſteigenden, linden—
umſchatteten Odilienkloſter und der duftigen Rheinferne
bildet. Die Heidenmauer, obgleich ihr wohl manches Hun⸗
derttauſend Steine zum Schlöſſer-, Kirchen- und Häuſer⸗
bau der Talbewohner abgeführt ſein mag, iſt noch drei,
höchſtens vier Meter hoch, bei anderthalb bis zwei Meter
Breite, nicht zyklopiſch irregulär, ſondern quadratiſch re—
gulär geſchichtet. An etlichen Stellen ſind ſechs Lagen
rieſiger Quader geradlinig frei übereinandergeſetzt, ohne
alle Verbindung von Kalk und Mörtel, als ob die Mauer
auch für den Fall gerichtet wäre, ſ chließlich dem anſtürmen-
den Feind auf den Kopf geworfen zu werden. An an—
deren Stellen ſind die Steine maleriſch eingeſtürzt und
weiſen an den Kanten viereckige Eintiefungen für das
Eintreiben von zuſammenhaltenden Eichenkeilen, die von
ihrer Geſtalt den Namen Schwalbenſchwänze (queue
d'aronde) erhalten haben. Mag, wer Luſt hat, weiter
unterſuchen, ob ſolcher Quaderverband auch der altpelas-
giſchen Technik bekannt und in älterem Mauerwerk des
Parthenon ähnlich zur Verwendung gekommen iſt.
Als natürlicher, vierzehn Meter hoher Felsvorſprung
fortifikatoriſch in die Heidenmauer eingepaßt, ragt an der
Spitze der Bloss mit flachebenem Gipfel, von allen vor—
dern Vogeſenhöhen die weitgedehnteſte Vorſchau in die



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O

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große mittelelſäſſiſche Rheintalebene darbietend, der Män

nelſtein. Man ſieht hier, wie des Kloſters ehemaliger
Prior Hugo Peltre als Gewährsmann angibt, bei heite-
rem Himmel neben Schwarzwald und Alpengebirgen drei⸗
hundert Flecken und Dörfer, zwanzig Städte, darunter
die vornehmſten ſind Straßburg, Breiſach, Freiburg,
Schlettſtadt, Offenburg, Hagenau u. a. — Ein Kultus,


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