Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 203
(PDF, 113 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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Skizzen aus dem Elſaß. 203⁵

der die aufgehende Sonne begrüßte, mußte dieſe Terraſſe
zu ſeiner beſten Gottesdienſtſtätte erkieſen. Der Alter-
tümler, der ſich auf „Schalenſteine“ verſteht, findet in den
auf- und nebeneinander geſchichteten Blöcken einige jener
5 kreisrunden Eintiefungen (cuvettes), welche den Stein als
einen geheiligten bezeichnen. Noch heute legen die Kin⸗
der ſchüchtern einen Erikaſtrauß oder eine Handvoll Heidel-
beeren als Weihegabe in dieſe Schalen.
Auf dem Plane, den J. P. Müller im Fahre 1603 von
10 der Bloss verfertigt hat, iſt an der ſenkrechten Felſen—
wand des Männelſteins ein großer eiſerner Ring als ein-
gehängt angezeigt, welchen die Sage als Erinnerung an
die Entſtehung des elſäſſiſchen Feſtlandes deutet, da unten
noch See und hier oben in der würdig luftigen Höhe von
1s achthundertdreiunddreißig Meter über der gegenwärtigen
Meeresfläche Schiffslände war. Wie mag des Kelten—
volkes Noah geheißen haben, der zum Ehrengedächtnis der
Anlandung ſeiner Arche auf dieſem vogeſiſchen Ararat die
Theologen des Berges den Eiſenring ſchmieden ließ? Aus
20 des Lucanus „Pharſalia“ kennen wir die Namen der galli-
ſchen Gottheiten,

„Dich, Teutates, der nur mit grauſem Blute verſöhnt wird,
Und dich, Heſus, des Altar trieft von unmenſchlichen Opfern,
Dich auch, grauſam geſinnt wie der Skythen Diana, Tarannis!“

25 IPhre Mythen aber ſind verſchollen. — Vom Männel⸗
ſtein weſtwärts umbiegend, erreichen wir, niedrigem
Mauerwerk der Heidenmauer folgend und von herrlicher
Fernſicht über die Täler von Barr und Andlau bis zu den
waldigen Rücken des Climont erfreut, den Schaftſtein und
3o den Wachſtein...Herſterer aus einer Tiefe von etwa
ſiebenzehn Meter als viereckiger Pfeiler ſenkrecht empor-
ſteigend, in gleicher Höhe mit dem Boden der Hochebene
und ſelbſt eine abgeebnete Plattform von fünfzehn
Schritt Breite bildend — letzterer ein unweit davon,
35 außerhalb der NMauer ganz frei und abgeſondert ſtehender,
oben ovaler Monolith in Weiſe eines Menhir, wie ſie in
keltiſchen Ländern als Grenzſteine und „Feenſpindeln“


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