Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 205
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0205
Skizzen aus dem Elſaß. 205

miſche Waffen in den Vogeſen, als im Fahr 407 die ein—
brechende Völkerſturmwoge der Vandalen, Alanen und
Sueven am Rhein und der Goten in Italien den Ober-
feldherrn Stilicho zwang, die Beſatzungen der Grenzfeſten
5 zu einem Rückzug über die Alpen zu befehligen, auf den
kein Vormarſch mehr erfolgt iſt.
Mit verändertem Angeſicht ſchaut Altitona in der
Rheinlande fränkiſch chriſtliche Zeit.
Adalrich oder Attich, Eticho, des Merowingerkönigs
10 Childerich des Dritten Anverwandter, um das Zahr 666
zum Herzog des Elſaſſes ernannt, der Fürſtenhäuſer Sſter⸗
reich-Habsburg und Baden-Zähringen Ahnherr, zu Ober-
ehnheim Hof haltend, richtet die römiſche Hohenburg aus
den Trümmern auf, übergibt ſie, mit Pfründen reich do—
15 tiert, ſeiner erſt von ihm mißhandelten, ſpäter bevorzugten
Tochter Odilia zu einem Damenſtift, deſſen erſte Abtiſſin
ſie wird, und bringt mit ſeiner Gemahlin Bereswinde die
letzten Lebenstage in der neugeweihten Stiftung zu.
Odilia, als deren Todestag der dreizehnte Chriſtmonat
20 des Jahres 720 angegeben iſt, ward als Heilige verehrt,
ihr Grab Ziel häufiger Wallfahrt, ihre Lebensgeſchichte
mit wunderſamen Legenden geſchmückt. Sie ſoll, ſelbſt
blindgeboren, erſt durch des Regensburger Biſchofs Er—
hard Taufe zu Palma in Burgund das Licht der Augen
25 erhalten — von vornehmen Freiern über den Rhein ver—
folgt, in plötzlich ſich öffnender Bergſpalte Zuflucht ge—
funden — den Pilgern zum Augenheil mit ihrem Stab
den Odilienbrunn aus dem Kloſterfels geſchlagen — ihres
VBaters Seele durch anhaltend Gebet in der Tränen—
z0 kapelle aus flammendem Fegfeuer befreit — vor ihrem
Tod von einem Engel die letzte Wegzehrung erhalten
haben. Der kaum dankbaren Mühe, die Geſpinſte, welche
der Menſchheit leichtgläubiges Wunderbedürfnis um ihre
Lieblinge ſpinnt, kritiſch zu entwirren und wieder auf—
35 zulöſen, hat Roth in Stöbers „Alſatia“, Jahrgang 1856,
ſich unterzogen; die allgemeinen Züge, nach welchen auf
die weiblichen Gauheiligen chriſtlicher Zeit Weſen und
Zauber heidniſcher Gottheiten ſich übertrug, hat Rochholz


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