Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 219
(PDF, 113 MB)
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Säckinger Epiſteln. 1. 219

Nachdem wir den Duft aus dieſen Blüten des Volks⸗
geiſtes eingeſogen, treten wir links zur zweiten Tür ein.
(Die Damen werden gut tun, beim Eintritt ihren Flacon

vorzuhalten.) Hier iſt meine Höhle. Aber ich hauſe nicht

allein in ihr. Das Bezirksamt Säckingen hat ſich jene
Hauptregel der Hiſtorienmalerei, nämlich die möglichſt
„ökonomiſche Verteilung der Figuren im Raume“ „gründ-
lich zu eigen gemacht. In dieſer Stube gehört nur ein
Schreibtiſch, ein Aktenfach und ein geringer Flächenraum
mir. In einem andern Drittel der Stube hauſt der eigent—
liche Herr und Gebieter derſelben, der Amtsdiener, und
im Reſte derſelben halten ſich in Winterszeit die vor—
geladenen Parteien auf, die Gerichtsboten gehen ab und
zu, die Gendarmen pflegen der Privatunterhaltung mit
Seiner Hochwürden dem Amtsdiener — kurz es geht hie
und da äußerſt gemütlich zu. Ich bin eigentlich mehr ge—
duldet, als daß ich etwas zu befehlen habe; im Volks—
bewußtſein iſt der Amtsdiener der Hauptinſaſſe. Wenn
einer hereinkommt, ſo heißt es zuerſt mit einem Bückling:
„'fſel mich Ihnen, Herr Hauſer, wie geht's?“ uſw. Dann
noch ſo beiläufig zu mir und dem Aktuar: „Guten Mor⸗
gen, ihr Herren.“ Das iſt übrigens von jeher die ſoziale
Poſition des Säckinger Rechtspraktikanten geweſen —
warum ſollte ich's anders verlangen? Im Frühjahr hat
mir der Herr Oberamtmann eine Überſiedelung ver—
ſprochen; bis dahin tut mir's vielleicht leid, auszuziehen;
denn die Gewohnheit bringt ja dahin, daß einer in einer
Mühle Pandekten ſtudieren kann und daß ihm etwas fehlt,
wenn er das Geklapper der Räder nicht hört. Ebenſo bin
ich jetzt ſo vollſtändig in meine Umgebung eingebürgert,
daß ich meine, es könne gar nicht anders ſein. Dazu hat
nicht wenig der Grundſatz des Aktuars beigetragen, den
ich mir alsbald angeeignet habe.
Der pflegt nämlich zu ſeiner Beruhigung bei jeder
Tageszeit und bei jeder Gelegenheit, mag er nun ein und
dieſelbe Verfügung Zomal abzuſchreiben haben, oder mag
ihm ein biederer Gaſtfreund eine Flaſche Rheinwein an⸗
bieten, den Spruch anzuführen: „Sei mir heute


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