Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 220
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0220
220 Epiſteln.

nichts zuwider!“ und mit dieſer Parole habe ich denn
auch beſchloſſen, mich friſch und unbeirrt durch alles Lieb⸗
ſame und Unliebſame durchzuſchlagen.
In dieſer Höhle nun pflege ich der Kriminal- und
Polizeijuſtiz und ſitze des Tags meine 7— 8 Stunden, und
wenn eine Unterſuchung einzuleiten iſt, weil einer ſein
Brot um 2 Lot zu leicht gebacken oder ſchnöder- und un—
befugterweiſe in ſtiller Verborgenheit Schnaps ausſchenkt
— oder wenn einer ſeinen Hund ohne Maulkorb laufen
ließ, ſo denke ich: „Sei mir heute nichts zuwider!“ und
unterſuche friſch darauf los, als wenn ſonſt die Welt aus
ihren Fugen gehen müßte. — —

Iſt dann das Tagewerk vorüber, ſo geht die arme

Seel' ins Gaſthaus „Zum Knopf“ zu Herrn Broglie, trinkt
ruhig ihr Bier aus und wenn die oktroyierte Polizeiſtunde
um 10 Uhr abends eingebrochen iſt, ſo geht ſie mit ihrem
Hausherrn, dem jungen Bürgermeiſter, nach Haus und
legt ſich aufs Ohr, um morgen da fortzufahren, wo ſie
heute ſtehenblieb. G
Von Elementen der Geſellſchaft habe ich bis jetzt ent-
deckt: einen Aſſeſſor, einen preußiſchen Offizier, einen Ad—
vokaten, einen Bürgermeiſter und ein paar Schweizer
Kaufleute, die hier eine Fabrik haben. Anderes bleibt
vielleicht noch fernerer Entdeckung vorbehalten. Von Poli⸗-

tik habe ich noch kein Sterbenswörtchen reden hören, es 25
denkt hier wohl mancher dabei: „Vorüber, ihr Lämmer,

vorüber, dem Schäfer wird's gar zu weh'!“ und ſchweigt.
Dagegen bringt hie und da einer oder der andere Hebels

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Gedichte oder den „Rheinländiſchen Hausfreund“ mit, und

dann wird ein Tiſch an den Ofen gerückt, und alles lauſcht
den prächtigen alemanniſchen Weiſen oder lacht ſich bei
den Zundelfrieder- und Zirkelſchmieds-Geſchichten? den
Buckel voll, ſo daß ſich der alte Hebel im Grab noch vor
Freude umdrehen würde, wenn ihm eine Portion des
unſterblichen Gelächters daſelbſt zu Ohren käme.

1 Frei nach den Schlußverſen von Goethes Gedicht „Schäfers Klage⸗

lied“. — ² Die Hebel eben im „Schatzkäſtlein des rheiniſchen Hausfreunds“

erzählt.

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