Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 229
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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Säckinger Epiſteln. 2. 229

immer geiſterhafter ragten die Tannen da und dort und.
knarrte die Schneedecke, aber es ging immer noch nicht
bergabwärts, und Säckingen erſchien nicht. Und immer
kälter pfiff die Abendluft, und ſelbſt dem Poſtillon ward
s etwas problematiſch zumut', wie jenem Mann an der
Kanderer Straße:
„Er chunnt vom Weg, er trümmlet hüſt und hott,
Er bſinnt ſi: ‚Bin i echterſt woni ſott¹?““
und ich ſelber dachte verdammt wenig mehr an Elfen und
10 Schneegeiſter und an das Rauſchen der Schwarzwald—
tannen und die Poeſie einer nächtlichen Schlittenfahrt,
ſondern vielmehr an ein warmes Neſt und einen Schluck
Vogelbacher zum Schutz gegen Erkältung. Und nach bei⸗—
nahe zweiſtündiger Fahrt war's noch immer nicht bergab
1s gegangen! Endlich ſchimmerte ein fernes Licht.
Kolumbus kann nach der Küſte von San Salvador
nicht ſehnſüchtiger geſchaut haben als wir nach dem Licht.
Wir kamen vor der Behauſung an, der Poſtillon trat her—
aus und randalierte, und wer kam hervor? Wer frage
20 ich! Das war der nämliche rote Tſchoben und die näm—
liche Geſtalt wie heute mittag, — das war der ganze leib—
haftige alte Balthes Nicker von Willaringen; und wir
hatten durch gütige Vermittelung des Meyſenharts Jog—
gele das Kunſtſtück aufgeführt, von Egg in einem weiten
25 Umkreis ſtatt nach Säckingen wieder nach Willaringen zu
fahren, und die Matten waren noch nicht grüner und die
Steuern noch nicht kleiner geworden, als uns der alte
Balthes ſein zweites „Willkommen“ entgegenbrachte.
Mir aber war's, als ob der Meyſenharts Joggele mit
30 ſtillem Gekicher ſich auf der Deichſel unſeres Schlittens
aufrichtete und folgende Standrede hielt: „Erſehet hie—
mit, hochweiſer und gelahrter Doktor, wie weit ihr Men—
ſchengeziefer mit all eurer Weisheit kommt; da kutſchiert
ihr mit aller Sicherheit durchs Leben, und nach langer
35 Frrfahrt kommt ihr doch wieder dort an, von wo ihr aus—
gegangen ſeid; da macht ihr Revolutionen, aber während

1 Aus Hebels Gedicht „Geſpenſt an der Kanderer Straße“.


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