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Sãctinger Epiſteln. 3. 231
der Amtschirurg Vogelbacher, der trotz ſeines Kultus der
gebrannten Geiſter ein großer Rationaliſt iſt, pfiffig und
ſagte: „Ach was Joggele! Was den Herrn Rechtsprakti⸗
kanten nach Willaringen zurückgeführt hat, heißt nit Jog—
5 gele, ſondern Vreneli, und iſt dem alten Balthes ſeine
Tochter. Er hat ſie am Mittag ſchon mit ſo großen Augen
angeguckt, ſamt ihren kaſtanienbraunen Zöpfen, — mir
geht ein Licht auf wie eine Pechfackel. Herr Knopfwirt,
noch ein Gläslein!“
10% Und ſeit der ſchnöde Amtschirurg dieſe Hypotheſe auf—
geſtellt hat, mag ich ſagen, was ich will, ſo gibt's allerhand
Biedermänner, die mit ſchlauem Lächeln die Achſeln
zucken, wenn von der Doppelfahrt nach Willaringen die
Rede iſt.
1s Auch daran iſt noch der Meyſenharts Foggele ſchuld! —
Dritte Epiſtel in die Heimat.
Säckingen, den 2. Februar 1850.
(Wie der Doktor Scheffel auf die Entdeckung eines BVetters, bezie-
hungsweiſe einer Couſine auszog, ſelbe aber für diesmal nit finden
20 konnte. Ein Kapitel, worin auch einiges von ſauren Gurken und von
Jena vorkommt.)
Wenn der Menſch ſo eine Woche lang nicht aus ſeiner
Höhle herausgekommen iſt, in welcher er zur Ehre des
modernen Staates Polizei- und Kriminalakten zuſam⸗
25 menſchmiert, ſo ſtellen ſich hie und da ganz ſeltſame Ge—
danken bei ihm ein, die kommen unangeklopft und ohne
daß ihnen der Amtsdiener Hauſer ein Herein! zugerufen;
und es ſteht von ihnen weder im badiſchen Strafedikt noch
in Rettigs „Polizeigeſetzgebung“ eine Silbe.
30 So ſitz' ich neulich bei meinen Akten und denk' über
einen ſchweren Fall von Zolldefraudation nach, und wie
ich weiter denke, wird mir ſelber irgendein fremdes Bün—
del Gedanken in den Schädel eingeſchmuggelt, und wie
ich mich recht umſehe, denk' ich nimmer an Zoll und Akziſe,
35 ſondern an meine verſchiedentlichen Couſinen! Und da
dacht' ich mit ſonderbarer Hochachtung an die blonde
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