Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 233
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0233
Säckinger Epiſteln. 3. 233

artig waren wie die Zwecke, die uns gen Laufenburg
führten!
Und nach zwei Stunden hatten wir die Türme des
Städtleins vor uns, und liegt dasſelbe gar ſtattlich in der
5 Höhe des Rheinſtrudels und bietet mit der alten gotiſchen
Kirche oben auf dem Felſen und einem alten Stadtwall
und mehreren Tortürmen einen gar ſtattlichen Anblick,
von dem ſich mein Skizzenbuch ſeinerzeit eine Abſchrift
nehmen wird.
i. Nun hauſt aber in Großlaufenburg außer den mir un⸗
bekannten Größen auch noch eine mir bekannte, nämlich
der Profeſſor an der Realſchule, Clemens', mit dem ich
ſo manches Stübchen? Lichtenhainer in Fena getrunken,
und der ein ſo lammfrommes Geſicht machen kann, daß
i1s ihm's niemand anſieht, daß er der Verfaſſer der famoſen
„Geſchichten, wie man ſie in Thüringen erzählt“ in den
„Fliegenden Blättern“ iſt. Dieſen wollt' ich zuerſt auf—

ſuchen, auf daß er mir wie ein Fohannes in der Wüſte—

die Wege bahne zum Herren Fürſprech.
20 Einen Biedermann, der drei Fahre in JFena ſtudiert
hat, ſucht man, und wenn er in dem entfernteſten Neſt
von Europa wohnte, am ſicherſten zu jeder Tageszeit im
beſten Wirtshauſe dieſes Neſtes auf. Ich dämmere alſo in
die „Poſt“. Richtig ſitzt mein Krauskopf Clemens hinter
25 ſeinem Schoppen. Ich ſtelle mich vor ihn hin und ſehe
ihn ruhig an, da macht er zuerſt ſein ernſtes, lammfrom—
mes Geſicht, als wenn er einen Generaͤlſuperintendenten
vor ſich hätte, aber die Mienen ziehen ſich immer normaler
und jeniſcher, und zuletzt ſchüttelte er mir mit einem herz-
30 lichen: „Ach ſo, du biſt's, alte Jacke? wo führt dich der
Teufel her?“ die Hand. .
Und nun ging's los, und war ein förmliches Feuer⸗-
werk von Frag' und Antwort, und mußte mancher Schop⸗

1 Chriſtian Friedrich Clemens, geb. 1821, hatte als Mitglied der
Jenaer Burſchenſchaft Teutonia Scheffel durch Schwanitz kennengelernt. Seit
1849 Lehrer der Mathematik und des Franzöſiſchen an der Bezirksſchule in
Laufenburg, ſtudierte er ſpäter noch Medizin und ſtarb als Sanitätsrat in Dort-
mund. Die erwähnten „Geſchichten“, kleine Anekdoten in Mundart, ſtehen
in Band 4 und 5 der „Filegenden Blätter“. — ² Ein Flüſſigkeitsmaß.


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