Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 234
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0234
234 Epiſteln.

pen den Weg ſeiner Beſtimmung wandeln, und wer das
alte Lied einmal geſungen hat:
„Nichts Schönres kannſt du haben
Aund was das Herz mehr freut,
Als wenn zwei alte Knaben
Sich ſehn nach langer Zeit!“
der weiß, wie's uns zwei beiden zumut' war.
O Lichtenhain und FZena, o Zeiten wunderſam !“ wer
einmal auf dieſes Thema kommt, der verläßt es ſobald
nicht mehr, und wenn ein Faß Bier in der Nähe ſteht,
wo zwei Geſellen von Fena ſprechen, da hat ſelbiges Bier⸗
faß hundert Prozent mehr Wahrſcheinlichkeit, leer zu wer—
den, als voll zu bleiben; zumal, wenn die Geſellen vom

Schlag ſind wie der biedere Clemens, von dem die Sage

geht, daß er einſtmals auf dem Markte zu Fena mit nur
einem Genoſſen ſich ein Fäßlein Rudolſtädter Braunes
angeſchrotet hatte und einem unſchuldigen Füchslein, das
auch um einen Schluck bat, zur Antwort gab: „Geh zum
Teufel, Fuchs; ſiehſt du nicht, daß wir hier ſchon zu
zweien ſind?“
Da ſtieg ſie wieder auf in ihrer alten Pracht, die Zeit
burſchenſchaftlichen Schwärmens und zertrümmerter
Staketen, die Zeit der Bummellieder und geraubter
Gänſe, die Zeit rieſenhafter Entwürfe und noch rieſen—
hafteren Durſtes; und eine ſtille Wehmut, die aber den—
noch ein ſolides Trinken nicht ausſchloß, ſtellte ſich ein

beim Gedanken: wo ſind ſie hingeweht vom Sturm der

Zeit, all die ſtolzen Himmelsſtürmer, die damals den
Schläger und den Steinkrug ſchwangen? —

„Die einen, die weinen;
Die andern, ſie wandern;
Die dritten noch mitten
In ſtrudelnder Flut; —
Und manche geſtorben
Und manche verdorben?!“

1 Bgl. das Gedicht „Dank für Zenenſer Medizin“ (Bd. 1 dieſer Ausgabe,
S. 361). — ² Nach dem Gedicht von Lebrecht Dreves „Auf den Bergen t die
Burgen. .“ (1843).

15

20

25⁵

35⁵


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0234