http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0240
240 Epiſteln.
bogen, die wie eine Vaubanſche Sternſchanze den übrigen
Arm deckten.
Durch die Anerkennung dieſes Koſtüms habe ich Un-
glückſeliger mir leider keine Lorbeeren erworben. Wie ich
in wohlgeſetzter Rede das eine Maidli um die Ehre er—
ſuchte, mein Skizzenbuch durch eine getreue Abſchrift ihrer
ganzen Erſcheinung bereichern zu dürfen, und zufügte, es
geſchehe dies meiner Schweſter zulieb', die weit hinten
am Lanograben? wohne und heute waͤhrſcheinlich auch
tanzen werde, damit ſie erſehen könne, wie man im Wald
zu Balle gehe, da fielen die Aktien meines Kredits unter
Null. Das gute Kind glaubte, ich wolle ſie verſpotten,
und als ich ihr mein Skizzenbuch zeigte, in welchem bis
jetzt leider nur ein ſlowakiſcher Mausfallenhändler, ein
baßgeigenſpielender Bürgermeiſter und zwei Bettelbuben
paradieren, wurde dieſe Überzeugung noch befeſtigt, und
nachdem die ſämtliche Damenwelt im Rößle noch einen
Kriegsrat in der Küche gehalten, wurde einſtimmig be—
ſchloſſen: „Es ſei ſotanes Geſuch des Doktor Scheffel an—
gebrachtermaßen zu verwerfen.“
Nachdem ich hier auf dem Weg Rechtens abgefahren,
fuhr der Eliaswagen auf dem Weg nach Hottingen all—
mählich auch wieder ab. Mühſam zogen uns die zwei
Füchſe und das Schimmele, dem der Poſtillon aus der
reichhaltigen Regiſtratur ſeiner Kernflüche die liebevoll-
ſten angedeihen ließ, noch die Hottinger Steige hinauf.
Dort oben aber hieß es immer mehr und mehr, wie einſt
—
5
20
25
der hauptumwickelte Phylax geſungen: „Schwieriger ſtets
wird der Weg, und in der Tat choleratiſch.“. Da lag noch
ein fußtiefer Schnee, und an manchen Stellen war er
ganz mauerartig zuſammengeweht, und war öfters nur
noch ein Tannenreis ausgeſteckt, um anzudeuten, wo in
anderen Zeiten ein Fahrweg geführt; und oftmals wurde
1 Der berühmte Feſtungsbaumeiſter Ludwigs XIV., 16533—1707, hat
auch am Oberrhein zahlreiche Befeſtigungen angelegt. — 2 Dem von der
Pfinz nach Karlsruhe führenden Kanal. — ⁸ Der Bürgermeiſter Leo in
Säckingen, bei dem Scheffel anfangs wohnte (oben, S. 21; er iſt in den
„Trompeter“ eingegangen, V. 34135 ff.
30
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0240