Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 244
(PDF, 113 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0244
244 Epiſteln.

Fünfte Epiſtel in die Heimat.
Säckingen, den 24. März 1850.
(Worinnen vom Sankt Fridolinifeſt zu Säckingen und deſſen Aus-
gang ſowie von etzlichen anderen Dingen die Rede iſt.)
Diesmal ſeid Ihr aber ſelbſt ſchuld, liebwerte Frau
Mutter, daß Ihr bis jetzt kein Schreiben und keine ſolenne
Gratulation zum Joſephstag' ſamt obligatem Dank von
mir erhalten habt.
Unter der Woche habe ich keine Zeit zum Briefſchrei—
ben; der praktiſche Juriſt muß vor allem die Kanzleiſtun⸗
den einhalten (hat er ja ſogar für die Liebe, wie's in
jenem Liede heißt, nur Zeit von abends ſechs Uhr an, und
nachmittags von eins bis zwei); — und auf den ſchönen
Feiertag am 19., wo ich Euch einen tiefgefühlten Gruß
verfaſſen wollte, ſchickt Ihr ſelber mir eine wohlbeſtellte
Wildbretpaſtete und ſchreibt dazu, ich ſolle ſie mit einigen
guten Geſellen zuſammen verzehren.
Was bleibt mir übrig? Getreu dem Wink meiner
Mutter, organiſiere ich ein ſolennes Frühſtück, laſſe ein

Fäßlein Bier dazu anſchroten, und ein Wort gab das

andere, und das Frühſtück verlängerte ſich bis tief in den
Abend auf gründlich germaniſche Art, denn der weiſe
Mann, ſagt Börne, frühſtückt zu jeder Tageszeit. Da
war's mit dem Schreiben wieder nichts, ſonſt hätte ich
an jenem Tag Dich verſichert, wie dieſe zarte und einem
tiefgefühlten Bedürfnis abhelfende Sendung mich von
neuem nötige, Dir den Ausdruck meiner vorzüglichen
Hochachtung zu Füßen zu legen.
Zum Glück für die Fortſetzung meiner Epiſteln iſt aber
heute gerade ein ſo epiſtolariſches Wetter draußen, daß
ich mich ganz behaglich in meinen vier Wänden dem
Schreiben ergeben kann; der Winter, der vor ein paar

Wochen geträumt und ſich den Frühling mit Schneeglöck⸗

chen und Schmetterlingen ganz hat über den Kopf wach-



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ſen laſſen, iſt wieder wild geworden und ſchüttelt die

1 Die Mutter Zoſephine beging wie der Sohn am Tage des heil. Zoſeph
(19. März) den Namenstag.


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