Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 249
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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Säckinger Epiſteln. 5. 249

So ging ich alſo am Sonntag Mittag wieder hinaus in
den Wald; und am Fuß des Eggbergs liegt, im Tannen-
dunkel verſteckt, ein gar ſtiller, lauſchiger Bergſee; an deſſen
Ufern ſetzte ich mich auf ein Felsſtück und ließ die Ge—
5 danken allerhand träumeriſche Sprünge machen. Jedoch,
die Poeſie hat ihre Zeit, das Biertrinken hat aber auch
ſeine Zeit. Es kam des Wegs daher der biedere Aktuarius,
der den Spruch „Sei mir heute nichts zuwider!“ auf
ſeinem Wappenſchild führt, und meinte, das ſei ein ſon—
1o derbarer Ort, um den Nachmittag des Fridolinifeſtes zu—
zubringen; erſtens ſei's noch feucht, zweitens quakten die
Fröſche; — — er ſeinerſeits wallfahre nach Wehr in den
großen Bierkeller.
Der Aktuar iſt ein realer Mann; ich ſprach deshalb:
1s „Sei mir heute nichts zuwider!“ und ging mit ihm nach
Wehr.
O du ſchöne Landſtraße am Abend des Fridolinifeſtes!
Die lebte und wimmelte von heimwallenden Fridlins—
pilgrimen. Aber wehel wehe! wo war die Weltentſagung?
20 wo die chriſtliche Askeſis?
Mancher war unter ihnen, der baſislos und krumm nach
Hauſe wankte, und von manchem hieß es wie in Schillers

„Glocke“:
„Wehe, wenn er losgelaſſen,
25⁵ Wackelnd ohne Widerſtand
Durch die volksbelebten Straßen
Wälzt den ungeheuren Brand.“

Aber alle waren ſie noch erbaut von der gewaltigen
Predigt. Der alte Schmied von Niederſchwörſtadt, der ſich
z0 uns anſchloß, und bei dem der Begriff auch ein weniges
verwirrt war, meinte, das ſei ein ſtrenger Prediger, der
könne es gut verkaufen, was er ſtudiert habe (damit meinte
er den energiſchen äußeren Vortrag), der neu Vikari in
Säckingen habe zwar des Nachmittags auch noch gepredigt,
35 aber da habe ihn „ein bizzele Schlaf überchommen“.
Und im Bierkeller zu Wehr erſt! Da ſaß der alte De—
kan von Wehr, ein Weſſenbergianer', der mit den neuen

1 Bgl. oben, S. 65.


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