Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 257
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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Säckinger Epiſteln. 6. 257



ſozialer Demokratie, — deutſcher Handwerksburſche,
alter Bruder Straubinger, müſſen wir uns ſo wieder—
ſehen?! Bin ich nicht dereinſtmals mit dir auf gleicher
Heerſtraße gezogen, hab' mit dir geſungen und getrun—
s ken, — und jetzt muß ich dein böſer Dämon ſein! Aber
dir geht's wahrhaftig tragiſch! und die Lyrik hört auf!
Warum haſt du dich ins politiſche Drama hineingeworfen
und ſtatt Roſen und Gelbveigelein die rote Feder an den
Hut geſteckt? Warum biſt du in der Schweiz bei den Ar—
10 beitervereinen geweſen? Du erliegſt einem tragiſchen Ge⸗
ſchick. Aus der Schweiz haben ſie dich ausgewieſen, und
aufs badiſche Gebiet läßt man dich nicht herein ohne ge—
hörigen Ausweis; jetzt wirſt du von Gendarmen wieder
auf die Rheinbrücke zurückgeführt. —
15 Aber das Drama hat mehrere Akte. Nach einer halben
Stunde bringt dich der Schweizer Landjäger wieder und
ſetzt dich auf der badiſchen Brückenſeite abermals aus; —
und der Gendarm wartet nur, bis es dunkel geworden,
dann führt er dich abermals hinüber und ſetzt dich im
20 Kanton Aargau an die Luft, — und ſo kann's bis an den
Jüngſten Tag gehen, du kommſt nicht herüber und nicht
hinüber, — armer Burſche, ſie haben dich einmal von
China bis Breslau auf dem Schub heimtransportiert,
aber das iſt eine Kleinigkeit gegen dieſe Situation! —
25 Noch ein Arreſtant! Auch der Wald liefert ſein Kon—
tingent. „Unter den hauenſteiniſchen Sitten, deren Hei-
mat freilich nur noch das Hochland iſt, trägt noch manche
das Gepräge der mittelalterlichen Symbolik“ („Badenia“
I, 28)¹. Da bringen ſie ſo einen Wäloöler Symboliker. Fo⸗
30 hann Frommherz iſt's, des grauen Hanſen Langer von
Bergalingen. An ihm kann man halt wiederum ſehen,
was falſche Liebe tut'.
Auf dem Wald oben wachſen die Prügel wild wie die
Roſen des Feldes. An jedem Sonntag wird geprügelt;

1 Bgl. oben, S. 10. — ² Anſpielung auf die Schlußverſe des bekannten
Volksliedes „Es kann mich nichts Schönres erfreuen, als wenn es der Sonne
angeht..“ Auch im „Wunderhorn“ („Der eiferſüchtige Knabe“), doch hier
nicht nach jener Faſſung. .

Scheffel. IV. 17


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