Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 260
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0260
260 Epiſteln.

arme Sünder vor den Schranken des Gerichts; 's ſind
ſonſt ſeltene Erſcheinungen vor dem polizeilichen Forum,
die Rheintäler, ein fiſchblutiges, philiſterhaftes Geſchlecht
im Vergleich zu der waldurſprünglichen Roheit der Hauen⸗
ſteiner. Aber die drei langen Geſellen von Oberſchwör—
ſtadt ſind diesmal dem ſchwarzen Verhängnis verfallen.
Streng inquiriert der weiſe Doktor Joſephus nach ihrem
Verbrechen und ſie bemerken nicht, daß er manchmal
krampfhaft auf die Lippen beißt oder ſeitwärts ſchaut, um
nicht hellauf zu lachen; — nein, ſie erzählen ganz ſchwer⸗
mütig ihr Unrecht und meinen am Ende ſelber, es ſei eine
Sünde geweſen. — Zu größerer Erbaulichkeit der Ge—
müter haben die Militärbehörden im Verein mit den Be—
zirksämtern alle öffentlichen Aufzüge, Maskeraden ꝛc. am

Aſchermittwoch aufs ſtrengſte verboten, und was haben.

dieſe Bummler zu Schwörſtadt getan? Vom Faſtnacht—
dienstag abend bis Aſchermittwoch früh ſind ſie gar nicht
zu Bett gegangen, ſondern haben getanzt und gejubelt
wie die Lerchen, und am Aſchermittwoch haben ſie den
Frühſchoppen für permanent erklärt, und wie allmählich
des Katzenjammers ſchönſte Macht über ſie kam und mora⸗—
liſche Betrachtungen aus den vielfach geleerten Schoppen
aufſtiegen, da haben ſie beſchloſſen, dem Aſchermittwoch
und ſeinem Memento mori einen wehmütigen Kultus zu
veranſtalten, und haben einen Strohmann angefertigt und
haben ſich lange Leintücher umgehängt und ſind mit
leeren Schoppengläſern unter Trauergeſängen hinaus—
gezogen durchs Dorf und haben dort den Strohmann, „die
alte Faſtnacht“, begraben oder verbraͤnnt, und der Haupt-
ſchalk hat noch eine ergreifende Leichenrede dazu gehal—
ten. Ihr armen Teufel, da gibt's keinen Pardon; ihr habt
nicht gewußt, daß der Dienſt der Faſtnacht wie der der Frei⸗
heit ein harter iſt; der Buchſtabe will ſein Recht, und Knob⸗
lauch der. Gefangenwärter, muß ſein Opfer haben. Ab in
Arreſt! Möge euch der Gedanke verſöhnen, daß um die
Lippen des Richters, der euer Urteil ſprach, ein gewiſſes
Etwas ſchwebte, woraus ein ſachkundiger Mann den
Wunſch herausleſen konnte: „O wäre ich lieber bei euch

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