Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 264
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0264
264 Epiſtein.

Schmerz, laß nach! 's iſt ſchade, daß ich nicht Zeit
genug habe, um Euch noch ein paar Dutzend weitere
Stücklein aller Art zu erzählen, zum Beleg dafür, welche
reiche Quelle von Poeſie jeder Art in der ſchnöden Polizei
fleußt. — Trotz dieſes poetiſchen Duftes aber, der meine
Polizeihöhle umſchwebt, iſt mir's nie wohler und melodi⸗
ſcher zumute, als wenn ich ihr Valet ſage und hinaus—
ziehe in den grünen Tannenwald oder an den alten Bater
Rhein. Und es gibt Momente, wo der Polizeireſpizient
ſich lediglich in Poeſie auflöſt, und wo ſich dann doch zeigt,
daß Poeſie und Polizei nicht ganz identiſch ſind, indem er
ſich dann durchaus polizeiwidrig aufführt.
Ein ſolcher Moment war neulich am erſten Mai. Da
ſind wir junges Volk von Säckingen hinausgezogen an
den ſtillen Bergſee im Tannenwald und haben — dem
tiefinnerſten Zuge germaniſchen Weſens getreu — ein
paar Stückfaß Bier mit hinausgenommen, dann einige
tüchtige Züge Hechte und Karpfen gefiſcht und uns auf
einer prächtigen Felskuppe gelagert, um dem Frühling
und ſeinem geliebten Sohne, dem Mai, ein friſches Feſt
zu feiern.
Und ein großes Maifeuer iſt angezündet worden, darin
wurde der Fiſchfang gebraten, und ein jeder verzehrte
ſeinen Anteil an ſelbſt vom Gezweige der Tannen ge—
ſchnitzter Gabel, und die Lieder und die Gläſer klangen,
und die Frühlingsſonne ſchien ſo innerlich und warm
drein, als könnte ſie nicht genug ihr Wohlgefallen an
dieſem Häuflein getreuer Frühlingsjünger ausdrücken, —
und zuletzt ward ganz vergeſſen, daß Volksverſamm—
lungen, Reden und Demonſtrationen im Kriegszuſtand
verboten ſind, und ſogar er, der Wächter des Geſetzes,
der Reſpizient in Polizeiſachen, ſtieg auf einen Felsblock
und hielt, an eine alte Tanne gelehnt, eine Frühlings-
predigt über den Text:

„Darum lob' ich den Sommer,
Dazu den Maien gut, L
Der wendet allen Kummer
Und bringt viel Freud' und Mut.



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