Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 266
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0266
266 Epiſteln.

thalab zu fuehren, und kümmert's mich nit eines Nixen-
haares Breyte, was der Schwyzer im Aargaue ſchimpfirt
und der Saekkinger Burgersmann fuer Späne hobelt:
Hui-joh! vorwärts“, und trieb ſyne Wellen, als wär er
von altersher ein Floßknecht von Baſel geweſen.
Stand dazumalen der Dr. Scheffel an ſynem Fenſter,
von wannen er ſchon oftmalen in den Rhyn gelueget und
ſyne Gedanken als wie eyn Fiſchreyher über die Waſſer—
fluet hinfliegen und kreyſchen gelaſſen, und ſprach auch
zue ſich ſelbſten: „Menſchenkind, du biſt wiederumb zu

lang by dynen rauhen Frynden, den Waeldern geweſen

und haſt dir eytel Schnee um den Bart wehen laſſen und
bym biedern Pfarrherrn ze Herriſchried viel kuehlen Biers
getrunken und manch rechtſchaffenen Auerhahn, ſo auch
noch lieber im Tannenwald ſyner Liebſten nachgezogen
waer und ſich an Tannzapfen muehſamblich geletzet haett',
ohn Erbarmen zum Beſperimbiß aufgezehret, und haſt nit
vermerket, daß im Thal der Hollunder luſtig Blattwerk
und Knoſpen getryben, und es ſich ſonder Gefaehrde auf
Heerſtraßen ſpazieren laſſet. Von deſſentwegen, altes
Menſchenkind, das zu Zyten als fahrender Schueler in
dütſchen Landen vagabundiret, nimm dynes Stechpalm—
ſtocks und zeuch aus, daß dir die Maienſonne des Schae—
dels erwärme.“
Alſo zog ſelbiger Dr., ſo aygentlich eyn Schryber bym
Ambt geweſen und ſelbigen Mittages von Rechts wegen
uff ſyner Canzeleyen des Dienſtes haett pflegen ſollen,
von Säkkingen us, ohne zu wiſſen, warum und wohin.
: Selbiges iſt eben die wunderpreißliche Kraft des
Fruehlings, daß mit Sonnenſchyn und warmen Lenz des
Menſchen Trachten gelenket wird, ohne zu wiſſen, war⸗
umb und wohin.:

Und kam derſelbige gen Wallbach und zum alten

Brennetwyrtshus, ſo an der Heerſtraß gen Baſel ſtehet,
und wo ein biederer Fuhrmann ſyt Alters her noch nie—
malen vorüber gefahren, ohne Augenſchyn zu nehmen, ob
der goldgelb Grenzacher Wyn noch im Faß liegt oder nit.
Und wann es nit im wunderſchoenen Mayen geweſen,

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