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Säckinger Epiſteln. 7. 273
Und ſprach das Erdmännlein: „Hier holen wir unſern
Kindern manch anmutig Spylzüg.“
Und lag eyn groß ausgehöhlt Tropfſteinhorn am Bo—
den, daraus ſchöpfete das Männlein dem Doctori eyn
s kuehlen Trunk Bergwaſſers, und dieſer trank ihn auf einen
Zug aus — und vermerkete daran wohl, daß er im Erd—
männleins Revier war, wo alles anders iſt denn oben,
dieweil ihm zu Säkkingen im güldenen „Chnopf“ und
landauf landab im Rhynthal eyn ſolcher Trunk Waſſers
10o zeitlebens nit gelungen waer.
Krochen ſodann mannigfalt herum und wieder zurück
und ſtiegen auch noch in den andern Gang, ſo rechts von
der großen Hallen ſich ins Tiefe der Erd eynſtrecket. Und
war dort von zierlichem Tropfgeſtein nit mehr viel wahr⸗
15 zunehmen, vielmehr eyn groß Wildniß von aufeinand ge—
ſtürztem Felsgeſtein, und tief unten rauſchete und brauſte
ein Bach; von wannen er in dieſe Höhlen einfleußt, weyß
Niemand, und kunnt auch das Erdmännlein, ſo ihm ſchon
weyt nachgekrochen war, nit bekunden; behauptet aber,
20 daß er unten im Rhynthal bei Riedmatt, wo die fürnehmb
Comthurey derer deutſch Ordensritter zue Beuggen in
der Naehe ſteht, ans Tageslicht hervorbreche und in Rhyn
fließe. — Und in ſelbigem Hoehlenthayl war viel Schlamm
und Erdreich bis an die Decke hinaufgeſchwemmet und
25 alles Tropfgeſtein darmit überzogen, und erzaehlete das
Erdmännlein, daß newlich, als drauß im Thal die Ge—
wäſſer wild geworden und die Wehra die ganz ſchoen
ſteinern Straß, ſo von der heiligen Mutter Gottes von
Todtmoos gen Wehr führet, zuſammengeriſſen, auch ſo—
30 thaner Hoehlenbach angeſchwollen und eyn ungattig Ru—
moren begonnen, und viel Erdreichs emporgewirbelt
haette, ſo daß ein Donner und Gebraus in der Hoehlen
geweſen, wie es den älteſten Erdmännlyn nit gedenket; —
ſeyen auch ein Erdmännleyn und ein Weyblein, ſo in
35 einem Ritzen zärtlich geplauderet und der Waſſerflueth
nit rechtzytig wahrgenommen, elendiglich vertrunken.
1 Unpaſſendes, unangenehmes.
Scheffel. IV. 18
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