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Ein Bericht aus der Schweiz. 283
liegt das Hoſpiz bei zwei kleinen Seen, deren einer die
Reuß nach dem Vierwaldſtätter See, der andere den Teſ⸗-
ſin ſüdwärts ausgießt.
Maſſen von altem, hartgewordenem Schnee lagen auf
5 der Straße; endlich befanden wir uns wieder vor menſch⸗-
lichen Wohnungen — das Hoſpiz war erreicht.
Die Waſſerſcheide hier oben iſt zugleich auch die Sprach⸗
grenze. Die Menſchen auf dem Hoſpiz ſind ſchon welſch, —
wir ſollten gleich hier die Vollkommenheiten italieniſchen
Charakters kennenlernen.
Das eigentliche Hoſpiz, wo früher der Reiſende bei den
Kapuzinern gaſtliche Pflege fand, iſt in Verfall geraten,
man kehrt im Wirtshaus — in der dogana ein. Bei praſ⸗-
ſelndem Kaminfeuer wurde der erfrorene Menſch getrock—
net und mit rotem Teſſinerwein ausgewärmt; es kehrte
allmählich, während draußen der Sturmwind heulte und
der Regen an die Fenſter ſchlug, ein behagliches Gefühl
zurück. Zwei Züricher Fußreiſende wärmten ſich mit uns,
— daß ich einsmals mich auf einen infam alten Strohſtuhl
20 ans Kamin ſetzend, durch dieſen durchbrach und unter den
Trümmern des Stuhls rückwärts zu Boden fiel, erregte
nur Heiterkeit. In angenehmem Beiſammenſein warteten
wir Wanderer das AÄrgſte des Wetters ab. Zuerſt gingen
dann die Züricher, der Sprache und Behandlungsweiſe
der Leute ſehr kundig, weiter.
Auch wir wollten bald nachfolgen. Als aber die Zeche
bezahlt war und wir uns zum Abmarſch rüſteten, kam noch
die signora padrona und hielt eine zierliche Rede, aus der
mir nur die Worte sedia rotta und trenta bazzi' hervor-
klangen. Nach näherer „Verſtändigung“ ergab ſich, daß
ich für den zerbrochenen Stuhl, der widerſtandslos unter
mir zuſammengeknackt war, 30 Batzen zahlen ſollte. Dies
empörte mein Gemüt, das die Vorſtellung germaniſcher
Gaſtfreundſchaft auch an das Hoſpiz auf St. Gotthard
35 knüpfen wollte, gewaltig. In zierlichem Rotwelſch ſchlug
ich's der durchaus keltiſchen Wirtin ab. Ein zweiter und
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1 „Stuhl zerbrochen“ und „30 Batzen“.
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