Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 299
(PDF, 113 MB)
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Römiſche Epiſteln. 299

Alſo, wie mich böſer scirocco im Auguſt nach Albano
vertrieben hatte, kamen erſt dunkle Gerüchte an mein Ohr,
es läg' zu Rom im Café Greco was Namhaftes für mich.
Dauert auch keine zwey Tag', ſo kommt ein ſicherer Meier
5 ins Gebirg' und vermeldet, es ſey eyn Brief da und außer-
dem eyn Avisſchein, daß auf der Poſt was Bedeutendes
angekommen ſey oder liege — und es werd' eyn Wechſel
oder bar Geld ſein, denn derlei wird in Rom nit an die
Adreſſ' abgegeben, ſondern muß am uffizio perſönlich ge⸗
10 holet werden mit Paß und carta di soggiorno' und für
viel bajokk. Des näheren wußt' aber auch ſelbſt Meier
nichts, was in dem Aviſo ſtünd'. Alſo dacht' ich ſcharf hin
und her, von wannen mir eyn Stück Geld oder Geldes—
wert als wie eyn Meteorſtein vom Himmel gen Rom hätt
15 fallen mögen; ſimulierte auch, ob etwa die „Augsburger“
für nicht abgedruckte „Historia nigrae silvae“ eyn Schmer-
zensgeld ſpendierte?, — oder ob irgendeyn unbekannter
Freund, der ſich zu mir, wie Ernſt Förſter zu ſeinem
Bruder, dem Unvermeidlichen „ſeit ſeiner frühen Kind—
20 heit Tagen mit eyner großen Schuld getragen“, ſelbige ex
improviso abzahlen wollt' — und wiewohlen ich auf kein
ſichere Spur kommen konnt', beſchloß ich doch auf Rat
guter Freunde, jählings nach Rom zu fahren, und fuhr
auch an eynem hellen Sommertag mit dem Friedensrich—
25 ter von Ariccia durch die Campagna und hatt' unterwegs
noch das Vergnügen, demſelbigen vier Stück Hühner, ſo
er den Bauern abgeſchunden, die aber die Gelegenheit
wohl erfahren, vom Dach des Wagens ſich aufzuſchwingen
und lieber gen Tivoli zu fliegen, als in Rom von der Frau
1 Aufenthaltskarte. — ² Gemeint iſt der Aufſatz „Aus dem Hauenſteiner
Schwarzwald“ (oben, S. 48 ff.), den Scheffel der Augsburger „Allgemeinen Zei⸗
tung“ zum Abdruck in der „Beilage“ eingeſandt hatte. Er wurde dort nicht
abgedruckt, erſchien aber im gleichfalls Cottaſchen „Morgenblatte“. „Historia
nigrae silvae“ („Geſchichte des Schwarzwaldes“) nennt Scheffel ſeinen Auf⸗
ſatz mit ſcherzhafter Aneignung des Titels aus dem berühmten Geſchichtswerke
des Abtes Gerbert von Sankt Blaſien. — ⁸ Dem oben, S. 296 angeführten
„Handbuch“ hat Förſter eine Widmung in Verſen „An meinen Bruder Friedrich
in Berlin“ (bekannt als Kamerad Körners, Dichter und Verfaſſer zahlreicher
geſchichtlicher Werte, geſt. 1868) vorausgeſchickt, die beginnt: „Von meiner

frühen Kindheit Tagen trag' ich Für einer ſeltnen Liebe reiche Fülle Mich gege
Dich mit mancher großen Schuld.“


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