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Römiſche Epiſteln. 301
den gordiſchen Knoten ſchneller löſte als beſagte Nro.
13077.
War ſomit zwar die Hoffnung auf eynen Wechſel jäh
verſchwunden, und ſobald ich die Worte „epistola en-
cyclica“ geleſen, beſchloß ich, deren Inhalt am geeigneten
Ort mir zu eigen zu machen. Faltete das Schreiben zu—
ſammen, ging die Via condotti hinab auf den Korſo, und
ſtieg den Korſo hinunter, bis nahe an Kapitoliniſchen Hü⸗
gel. Dort, wo eyn großer Schwibbogen über eyne Seiten-
ſtraße ſich ſpannt, ſchlug ich mich links. In ſelbiger Gaſſe
ſteht weder Torlonias noch Kolbs Bankhaus, wohl aber —
über beſcheidenem Türraum groß „Facchino“ angeſchrie-
ben. Es war vormittags 11 Uhr. Ich trat in die geweihte
Weinſpelunk' zum „Facchino“ (das deutſche „Hausknecht“
gibt den vulgären Begriff des Worts wieder) — dort, wo
ich dem bottega auf ſeine Frage, ob ich eyn halbe foglietta
bianco oder nero befehle, eyn ſtolzes „un fiasco d'Or-
vieto“ entgegengeſchmettert, und er mit eynem ſeltſam
fragenden „Ma chè??“ ſie angeſchrotet und — nicht ent-
korkt, ſondern entölt hatte, — dort hab' ich des Engeren
Enzykliſchen geleſen, iterumque relegi? — und in dem
dreymal geſegneten Orvieto, ſo dem Montefiasconer an
Gewürz, Blum' und Duft völlig gleichkommt, aufs Wohl
der Getreuen in partibus infidelium, der Oberpoſtdirek—
tion mit Nro. 13077 und der Jungfer Kneisler von Wit⸗-
tiſchweiler ſtill gerührt getrunken. Und wiewohlen ſchon
in der zehrenden Hitz' und dem scirocco Welſchlands eyne
innere Urſach' liegt, daß der deutſche Menſch allhiero ſträf⸗
lich viel Weines tilgt, ſo glaub' ich, daß auch dieſer enzy—
z0-kliſche Brief dazu beigetragen, mich in ſotanem ſchweren
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Beruf durch alle Zeytläufte bis anhero zu ſtärken und
zu „feſtigen“, denn trotz ausgedehnter Wirkſamkeit an
ſchwierigen Plätzen (vide Foerster, pag. 259 Ss. v. Genzano
und p. 567 s. v. Velletri) bin ich bis anhero an Leib und
Seele friſch geblieben — und eyn leiſer Anflug von ſüd—
licher Färbung auf der Naſe mag nach Foerſter, p. 494,
1¹1 Kleines Weinmaß. — ² Und nochmals geleſen.
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