Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 304
(PDF, 113 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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304 Epiſteln.

Fremden von Diſtinktion der Hof gemachet, und wenn
eyner von den guten alten Zeyten am Ponte molle er-
zählet, ſo rümpfet mancher vornehm die Naſ', als wie
der Phariſäer über den armen Zöllner.
Ich inzwiſchen hab' dort eyne gute Flaſch' Orvieto ge-
blaſen und an den wackern Maler Reinick gedacht, ſo dort
wie anderwärts manch gutes Lied geſungen und itzt ſchon
in kühler Erden ſchläft', und hab' die Wagen gemuſtert, ſo
von Florenz her nach der Porta del popolo eynfuhren und
hab' eyn Stück „italieniſcher Zuſtände“ mit angeſehen, ſo
mich ſehr erfreute. Saßen nämlich zwey Geſellen hinter

eynem Verſchlag der Oſteria und tranken eynige Korb—

flaſchen zu ihrem Salat und waren wie im Hinterhalt,
und wie eyn Wagen herfuhr, ergriff der eyne ſein Krücken⸗
ſtock und wurde plötzlich hinkfüßig, wackelte hinaus und
bettelte für den povero vecchios — und richtete ſich der

Grad ſeines tranſitoriſchen Fußleydens nach Beſchaffen-⸗

heyt der Kutſchen, maßen er bei eynem gemeinen Vettu—
rin noch notdürftig laufen konnt', wie aber eyn Kardinal
mit ſeinen drey galonierten Dienern angefahren kam,
ward er von totaler Lahmheit befallen und ſchleifte ſich
gotteserbärmlich über die Straßen; ſchund aber nur zwey
bajokk heraus, was ſeinen Kollegen, dem er die Aus—
beut' an Weintiſch zurückbracht', zu der unziemlichen Be—
merkung veranlaßte: due bajocchi! O quell' ladro“! —
Item eyn andermal hab' ich eyne Pilgerfahrt getan
in das Tal der Nypmhe Egeria, ſo bekanntlich eyne Freun—
din des Königs Numa war, bei welcher Gelegenheyt ſelber
als erſter römiſcher legislator ſich über den Begriff des
concubinatus, wie es eynem frommen Furiſten ziemet,
aufklärte?. Und iſt eyn weiter Weg durch das alte Rom,
am Colosseo und an den Thermen Caracallae vorüber,
bis zur Porta S. Sebastiano, deren Mauern weyland Nar-

1 Der Maler und Dichter Robert Reinick, geb. 1805, war einige Mo⸗
nate vor Abfaſſung dieſer Epiſtel, 7. Februar 1852, in Dresden geſtorben. Der
Gegenwart iſt er noch durch ſeine reizenden Dichtungen und Zeichnungen für
die Zugend bekannt. — ² Den armen Alten. — ⁸ Fuhrwerk. — ⁴ „2 Bajokki!
O, der Spitzbube!“ — 5 Livius 1I, 21.



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