Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 308
(PDF, 113 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0308
308 Epiſteln.

Meer herumzufahren, und wie ich in die Kajüt' eyntrat,
ſprach ich denſelben Spruch, den bereyts eyn märkiſcher
Graf Itzenplitz in das Beſchwerdenbuch auf der Poſt zu
Langenſalza mit Unterſchrift ſeines Namens eyngetragen:
„Pfui Teufel, wie ſtinkt's hier!“ — lieh mir alſo eynen
rauhhaarigen Schiffermantel und legte mich die Nacht auf
das Verdeck und ſchaute zu den Sternen, und wurde mir
ſehr klar, daß die Erd' ſich um die Sonne drehe und nit ſtill
ſtehe, und wurde mir auch das alte Lied von Hennecke dem
Knecht klar, wie ſelber in Bremen Schiffsdienſt genom—
men, aber gar balde ſich zurückgeſehnet nach dem feſten
Land, „wohl zwiſchen Diſtel und Leine'“. Dennoch iſt
aber im Seehafen von Livorno der erſt' Wunſch nit nach
eynem feſten Frühſtück und ſonſtiger Atzung eynes ſee—
müden Leichnams — vielmehr nach eynem knorrigen
Hagedornſtock, um all den Tagdieben, ſo dort wie eyne
ägyptiſche Landplag' über den fremden „Gaſtfreund“ her⸗
fallen, eynen verdienten Rekompens auszuzahlen. Und
wannen eynmal die groß' Rechnung in der Welt abge—
tragen wird, ſo wären in Livorno mit Hagedorn zu be—
rückſichtigen: der Gondolier, ſo vom Dampfſchiff bis in
Hafen rudert, — die Facchini, ſo den Reiſeranzen von
dort in die dogana tragen, die ganz' Zollwächterei in ſel—
bem „Freihafen“, die Facchini, ſo den Reiſeranzen von
der dogana an den Fiaker tragen, die Fiaker ſelber, der
Wirt zum albergo reale ſamt ſeinem Oberkellner und dem
vornehmen Hausknecht, ſo die Päſſ' in der Welt herum—
trägt, — die ganz' Zollwächterei am andern End' desſelben
„Freihafens“, ſo eynen zum zweytenmal viſitieren, —
item die Plombierer vor dem Eiſenbahnhof, ſo eynen zum
drittenmal moleſtieren, item die Facchini, ſo von dort das

Gepäck auf die waggones tragen. Und hab' ich ſchließlich

nit anderes mehr geſprochen, als was der Engere als Gruß

1 Dies alte niederdeutſche Volkslied von dem Bauernknecht Henneke, der
Seemann werden wollte, aber durch die Seekrankheit bald von ſeiner „An⸗
maßung“ geheilt wird, läßt ſeinen Helden in ſeinem Zammer ausrufen: „Zs
hir denn nu Nemand bekannt, de mitk bringt in dat Saſſenland Wal twiſten
Diſter unn Leine?“

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