Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 313
(PDF, 113 MB)
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Römiſche Epiſteln. 313

ſeinen krächzenden Geſang aus weiland Garibaldis Lager
nit mehr anſtimmte.
Item, ſo war noch eyne Signora im Wagen, ſo Sänge-
rin am Theater zu Livorno geweſen und ſchön ſang als
5 wie eyne Nachtigall; und vergaß der arciprete' von Urbino,
ſo gleichfalls mitfuhr, öfters ſein Brevier ob deren Ge—
triller. War dieſelbig' aus Rimini, wo ſchon zu Dantes
Zeyt allerhand unglückliche Lieb' ſich zugetragen und be-
kanntlich der Francesca da Rimini es ſehr übel von ihrem
10o Eh'gemahl vermerket worden, daß ſie mit ihrem Haus-
freund das Buch von Lancelot und Ginevra alleyn, zur
Nachtzeyt und mit Unterbrechung zu leſen verſuchete.
(Dante, Inf., V.) War zwar unſerer Signora das Schickſal
dieſer ihrer Landsmännin nit näher bekannt, alſo daß ich
1s in eyner gelehrten Expoſition, zu der der arciprete von
Urbino moraliſche Anmerkungen machte, ihr dasſelb' des
breiteren darlegte; ſchien aber dieſelb' auch etwas von der
Natur beſagter Francesca inzuhaben, maßen ſie eynes
Engelländers, Sir Alfred Mitchell, in ihrem Geſpräch ſo
20 oftmalen und ganz ex improviso erwähnte, mir auch eynen
Brief vorzeigte, den ihr ſelber auf Engliſch geſchrieben
und den ſie nit verſtehen konnt', alſo daß zu vermuten
ſtand, ſie mög' denſelben zu Livorno ebenſo freundlich auf⸗
genommen haben wie die Frauensperſonen zu Padua
25 eynſt Herrn Schwertlein, unſeren Landsmann’.
Item, ſo kam gleich am erſten Tag der Reiſen eyn ſehr
diffiziler Punkt vor. Hatte uns der ſpitzbübiſch' Vetturin
ſtatt nach der feinen etruskiſchen Stadt Arezzo zum Nacht-
lager in das eynſame Heidewirtshaus Poggio bagnoli ge-
30 führt, ſo in eyner rauhen Hochebene, unter zwergigen
Eichen, gar öd' und wie eyne Räuberherberg' daliegt.
Wurden inzwiſchen eyn paar magere Hühnlein geſchlach⸗
tet und ſaßen wir beim Veſperimbiß noch lang' plaudernd
beiſammen, und hatten ſich die Wirtsleut' ſchlafen gelegt.
35 Wie aber der arciprete von Urbino durch großmächtig
Gähnen das Zeichen zum Aufbruch gab, ſo war weder

1 Erzprieſter. — ² Bgl. Goethes „Fauſt“, V. 2925 ff. und 2081 ff.


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