Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 315
(PDF, 113 MB)
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Römiſche Epiſteln. 315

ihm die groß' Lamp' geben, damit er ſich ſelber kõnnt' zum
Schlafen rüſten, er woll' dieſelbe ſodann vor die Tür ſeiner
camera zu dispositionem der andern ſtellen, ſo ſehen
möchten, wie ſie damit weiter fertig würden; wurde aber
5 ex argumento primo ſeyner eygenen vorigen Red' und
als grober egoĩsta, ſo keine Rückſicht auf Damen nähme,
widerlegt.
Alſo erläuterte ich ſelber (und bin begierig, zu er—
fahren, ob der Engere meine Anſicht approbieret): Die
10 Rückſicht auf die Signora erheiſche, daß ſie nit im Dun—
keln bleibe, anderſeits ſey es aber zu hart, wenn zwey
Biedermänner, wie der arciprete und ich, wegen ihr in
Finſternis zu Bett tappen müßten, ſey vielmehr eyn Ge—
bot der Menſchlichkeit, dieſe calamitatem auf eynen eyn⸗
15 zigen zu beſchränken, wogegen die Signora ſich auch wie—
der in die consequentias zu fügen habe, ſo die Eygenheit
des Falls mit ſich brächt'. Solle daher die Signora ent⸗-
ſcheiden, wem von uns beyden ſie eyn Anteil am Schlafen-
gehen mit der Lamp' wollt' zukommen laſſen; und wen es
20 eben träf, der mög' es als Fügung des Schickſals von
Poggio bagnoli hinnehmen. — Und wiewohlen eyn leis
Lachen über das Antlitz der Sängerin von Rimini flog, ſo
bin ich doch außerſtand, zuzufügen, wie etwannen bẽei ähn⸗
lichen controversiis derer alten Furiſten: „Et Neratii sen-
25 tentia magis placuit'“, maßen der arciprete von Urbino,
ſowohl die Eventualitäten eynes ſolchen Wahlrechts er—
wogen, ſehr grob ſich dagegen expektorierete und zu wie—
derholten Malen ausrief: „O che pensieri etruschie!“
woraus ich mit Befremdung erſah, daß in Urbino und
30 ganz Umbrien eyn etwas leichtfertiger Gedanke „un pen-
siero etrusco“ geſchimpft wird, und woraus ich auf die
alte Geſchichte derer Etrusker und ihr Verhältnis zu ihren
anderweyten italiſchen Nachbarn und Nachbarinnen be—
lehrende Schlüſſe zog.
35 Item die zweyt' Nachtberherg' war zu Paſſignano am

1 „Und die Entſcheidung des Neratius fand größeren Beifall.“ Die
Pandekten führen häufig die Anſichten dieſes gelehrten römiſchen Zuriſten
(um 100 n. Chr.) an. — ² O welch etruskiſche Einfälle!


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