Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 328
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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328 Epiſteln.

miſerabel und zwackte uns die Bißlein am Mund ab, gab
auch ſonderbare exempla aus der höhern Geometrie zu
löſen, z. B. wie zwei elende Hühnlein als Braten unter
ſieben Perſonen zu verteilen wären, und zeigte ſich bei
Heraufſchaffung der kontraktmäßigen Flaſchen Weines ſo
träg und ſaumſelig, alſo daß eyn guter Humor und erkleck-
lich Grobheyt zu Ertragung erforderlich war. Wurde ihm
aber nichts geſchenket, — und dieweil, wenn auf eyner
Platten nur eyne arme Kartoffel übrigblieb, er das nächſt'
Mal gewiß eyn Dritteil weniger aufſtellete, waren wir ge⸗
nötigt, jedesmal alles wurzweg aufzuzehren — und ſprach
eyn kleiner Berliner namens Schlegel jeweils: „Es muß
alles verruiniert ſein.“
Item, um unſern contractum grundſätzlich aufrecht zu
halten, wurde auch jeweils die per Kopf bedungene Flaſche
Weines getilgt, und weil eyn paar kranke Genremaler
dabei waren und ſpäter auch etzlicher deutſcher Damen
der Kolonie ſich anſchloſſen, ſo hatten wir andern redlich
zu arbeiten, um den contractum, quoad vinum', dem Cal-
pini zum Spott und zum Verdruß zu wahren. Geſchah
dies aber ſo accurate, daß, wann je aus Verſehen eyn
Quantum Weines übrigblieb, ſolches in eyne große Kür⸗
bisflaſchen gefüllet und behufs eynes Frühtrunks mit fort-
genoͤmmen wurde.
Item, war eyn biedrer deutſcher Maler Willers bei
uns, ſo auf vierzehnjährigem Aufenthalt in Rom gelernet,
wie man den Italiener traktieret, auch eyne vollſtändige
Kollektion ſämtlicher Flüch' auf Italieniſch inhatte; und
wann die Beſchwerden über ſchmale Zehrung ſich ge—

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häufet, ſo ſagte derſelbig' — als wie eyn Patriarch, ſo für 20

die Seinen ſorgt: „Ich werde eynmal mit dem padrone
reden.“ Kam aber dann eyn ſolch Donnerwetter über be⸗
ſagten Calpini, und gewürzt mit den beſten Grüßen, z. B.
„Che vi piglia un accidente“: „Mög' Euch die fallend'

Sucht in die Glieder fahren!“ oder: „Figlio d'un caneꝰ“ — 35

1 Den Vertrag, foweit er den Wein betraf. — ² Scheffels Lehrer in
Italien, vgl. den Lebensabriß (Bd. 1, S. 22*). — ³⁹ Hundeſohn.


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