Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 331
(PDF, 113 MB)
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Römiſche Epiſteln. 331

gewöhnlich an eynem gewiſſen „Nachdurſt“ zu leiden hat,
ſo ſind wir wie alte Recken auf der Totenwach' geſeſſen,
alſo daß unſern jungen Leuten, ſo dem Wein erlagen, von
denen Italienern kein Leids widerführe, — und haben
miteynand die letzt Flaſchen getrunken, als kein Welſcher
mehr Beſcheid tun wollte.
Item ſo war das Heimreiten ſehr beſchwerlich, maßen
eynige der Leitung ihres Eſels nit mehr mächtig waren
und überhaupt eyn groß rumorem durch Berg und Wald
10 verführeten. Und war dies die ſchärfſte Trinkung, ſo ich
ſeit meiner Abfahrt aus Deutſchland erlebet — hab' mich
aber tapfer durchgefochten und bin — mit Ausnahm' eynes
kleinen erroris, nämlich daß ich aus der Schenke zu Gen—
zano, wo wir noch in ſpäter nächtlicher Weil eynen Veſper⸗
15 trunk nahmen, auf der Straß' eyn Stück weit gen Neapolis
anſtatt gen Albano fortgeritten, — ohne Fährlichkeyt
wieder in Albano angelanget.
Item, ſo ſeh' ich, daß mein Bericht ſich über die Maßen
ausdehnet, — und hab' ich die feinſten puncta, z. B. eyn
20 Beſuch bei denen Franziskanern in Palazzuola, und eyn
vierwöchentlichen Aufenthalt in dem Bergſtädtlein Ole—
vano, bei der fürtrefflichen Regina, item eyne Fahrt in
das ſteile, flohreiche Cervaſa, — item allerhand Zoologica
noch gar nit berühren können. Dieweil aber inzwiſchen
25 das Briefporto in die Heimat ſehr ermäßiget worden, auch
eyn regelrecht End' ſo bald nit abzuſehen, ſo brech' ich hier
ab, hoffend, daß dem löblichen Engeren dies Papier nit
als unnütz verſchrieben erſcheint, und daß er daraus ab—
ſieht, wie ich in welſchem Land an Erweiterung von deſſen
30 relationes gewirket.
Und ſo er aus obigen datis eynige Kurzweil ſchöpfet,
ſo bitt' ich mir eyn baldigen aviso über Empfang und et—
waige continuation aus, wünſch', daß alle Mitglied er ſich
eynes fröhlichen Wohlſeins erfreuen und mich ſeithero nit
36 vergeſſen haben, und daß es mir vorbehalten bleib', im
nächſten Winter durch perſönliche Interpretation aller—
hand weitern Aufſchluß zu erteilen. Und ſo mein bie—
derer Freund, der Meiſter Willers, der gegenwärtig nach


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