Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 335
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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Römiſche Epiſteln. 335

logi „ſcheißlich zuwider“ — was auch eyn' gute Eigen—-
ſchaft iſt.
Der zweyt' war Herr Andrẽèée aus Frankfurt, ſo weiland
beim Kollektivknab' in Weinheim zum Menſch herangebil⸗
5 det worden — und war derſelbig' nach allerhand fatis eyn
Maler geworden und mit eynem kecken und leichtfertig
ſaliſch-ripuariſchen Weſen begabt, ſo der Bücherweisheyt
ſchnurgerad' entgegenſtrebt. Hatte deshalb auch der ſchwa⸗
biſch' Magiſter viel Unrecht von ihm zu leiden. Derſelbig
10 Andrée war erſt kurz in Welſchland — fresco, wie man zu
ſagen pflegt — und hatt' derohalb noch mannigfach un—
klare Begriff' von Land und Leuten, und war ſein Haupt-
ſtreben, eynmal „tief in die Abruzzen“ hineynzuſchauen —
denn alle Berg' hinter Rom hieß er Abruzzen, wiewohl
15 ihn Meiſter Heydt mannigfach zu belehren ſuchte, wo die
Sabiner, und wo die Aequer und Hernici und die rauhen
Volsker gehauſet.
Der dritt' war mein junger Landsmann Kloſe?, eyn
ſtiller, ſinniger Landſchaftsmaler, ſo ſchier eyn halb Fahr
20 in Olevano gelegen und Berg und Wald fein abgeſchrie—
ben hat, ohne jedoch des Landweins und Saltarelltanzens
zu verachten.
Der viert' war ich ſelber; und hatt' wieder meinen
grauen Schlapphut aufgeſetzt und meinen ſteineichenen
25 Malerſpieß zu Handen genommen, und war mir — wie—-
wohlen mich in Rom ſchon mancherlei Melancholey be—
ſchlichen — wieder ſo wohl und friſch ums Herz, wie
immer, wann ich hinauszieh' in die weite Welt.
Item ſo fuhren wir an der lateraniſchen Kirch' vorbei
30 und zur alten Porta maggiore hinaus, wo der Bäcker Mar-
cus Vergilius Eurysaces durch ſeyn plumpes, zunftſtolzes
Grabdenkmal auf die Nachwelt übergegangen iſt, — und
waren ſofort in der öden Campagna. Von der Campagna
hab' ich eyn andermal zu berichten, wann ich auf ernſtere
35 Ding' zu reden komm', denn dies weit' Stück Land, ſo durch

1 Vermutlich Profeſſor Bender, der in Weinheim ein Inſtitut hatte und
1849 Mitglied der Flüchtlingskolonie in Auerbach war. — ² Bgl. Band 1
dieſer Ausgabe, S. 9⁰7.


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