Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 336
(PDF, 113 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0336
336 . Epiſteln.

vulkaniſche Kräft' dem Meer abgezwungen ward, mit
ſeinen Cannafeldern, Riſſen, Schwefelſeen, mit ſeinen
Tuff-Felſen und ohnzähligen alten Trümmerſtücken, heid⸗
niſchen Gräbern und labyrinthiſch unterirdiſchen Katakom⸗
ben iſt mir ſchier großartiger wie die ganz' Stadt Rom —
und hab' deshalb, zu Tag- und auch zu Nachtszeyt ſchon
manchen feſten Gang hinaus gemacht. Diesmal war nit
viel zu ſchauen — als etwannen das Mauſoleum der heili-
gen Helena in eyner Vigne draußen — und hernachmals
eyn von baſaltigen Felſen umſchloſſener, alter und längſt
penſionierter Krater, ſo, nachdem er außer vulkaniſchen
Dienſt gekommen, auch eynmal als See Karriere gemacht,
und hieß damals lacus Regillus und war an ihm, als die
Rÿmer noch mehr Strauchdieb' und Heckenreuter als Welt-
herrſcher waren, eyne Bataille mit ihren Gebirgsnach—
barn, worüber indes eyn ſicherer Niebuhr'i des Näheren
nachgeleſen werden kann.
Elf Miglien von Rom, wo die letzten Ausläufer des
Albaner Gebirgs zur Ebene niederſteigen, ſteht eyn eyn⸗
ſam Wirtshaus, la Colonna, wo ich früher einmal eyne Ge—
ſellſchaft „Geſtalten?“ mit Flinten angetroffen, mit denen
ich keine Priſen Tabak zuſammen hätt' ſchnupfen mögen.
In ſelben „Heidekrug“ fielen wir diesmal eyn; und

war eyne charaktervolle Spelunke, alſo daß, wenn ich nit

ſchon an tor di mezza via an der Appiſchen Straß' und in
eyner Kneipe zu Marino, wo noch eyn umgeſtülpter Heu⸗-
wagen, deſſen Fuhrmann die Zech' nit zahlen konnt', in
der Stuben pfandrechtlich aufgepflanzt war, noch Ab—
ſonderlicheres erſchaut hätt', ich ſie ſchon eynem näheren
Beſchrieb unterziehen möcht'; denn da eyne ſolche Stuben
zugleich der Durchgang zum Stall iſt, und da Hühner und
Katzen und große Hund' eynträchtig mit den Menſchen—
kindern darin hauſen, auch Bank und Stuhlwerk eynes
primitiven Zuſtands ſich erfreuen, ſo ſind hier allerhand

1 Barthold Georg Riebuhrs „Römiſche Geſchichte“, zuerſt Berlin 1811—32
erſchienen, erzählt in Band 1, S. 616 ff. (63. Ausg., Berlin 1828) von der
Schlacht, in der im Zahre 496 v. Chr. die Römer unter Poſtumius die Zta-
liener beſiegten. — ² Dgl. oben, S. 289.



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