Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 348
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0348
348 Epiſteln.

geſetzt, und werd' ich ihr dieſe Aufmerkſamkeit zeytlebens
gedenken.
Item ſo frag' ich die braun' Lala, was ich ihrem Freund,
dem Sir Otto in Rom, ausrichten ſoll, ſo ſagt ſie, wie ſie's
oft im Ritornel geſungen hat:
„Quante stelle stann' al cielo
Tanti bacci ti darò,
Non abbasta uno solo
Per poter mi consolar".“

und damit ich's nicht vergeſſe, will ſie anheben, mir ſelber
eyn paar herzhafte Küſſ' zu geben, die ich dann wieder ge⸗
eygneten Orts abgeben ſollt. Hat mich aber dieſe naive
welſche Manier ſchier gerühret, und hab' daraus meinem
Tübinger Freund die ethnographiſche Notiz abſtrahieret:
daß die Sabinerinnen, beim Abmangel der erforderlichen
Schulkenntnis zur Abfaſſung von Liebesbriefen, ſich ſelt—
ſamer Surrogate zu bedienen wiſſen, alſo daß etwannen
der Bot' von Schwetzingen fragen könnt': „Schreibt man
hierzuland' den Leuten die Brief' ins Geſicht?“
Des andern Tags hat Scherz und Spiel eyn End' ge⸗
nommen und ſind wir insgeſamt von dannen gezogen und
haben eyn großen Gebirgsmarſch gemacht. Und ſtiegen
durch die Schlucht von San Vito und liefen eyn Stück in
der Irr' herum, und war ſchlimme Bergwildnis und
ſchlimme Bauernjagd, und wie wir an etzlichen Sabinern
mit ihren verroſteten Flinten vorbeikommen, knallt's von
weitem, wo ſo eyn welſcher Petermann nach eynem Wald-
ſpecht oder eyner Droſſel geſchoſſen, und fahrt der Schrot-
ſchuß neben uns in die Becken, alſo, daß es nit ſehr ge—
heuer ausſah und Meiſter Andrée erklärte, er könne ſich
jetzt bald vorſtellen, wie es „tief in den Abruzzen“ zu—
ging. Verzogen uns darum ſchleunigſt aus deren Bereich
und gingen über den Bergkamm von San Vito und das
elend' Dörflein Pisciano in eyn Seitental des Anio hin⸗

* So viel Sterne ſtehn am Himmel,
So viel Küſſe geb' ich dir —
Nur ein einz'ger bringt ja doch nicht
Troſt in meiner Liebe mir.

5



0

35


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0348