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Römiſche Epiſtein. 349
unter, — und war zwar die Gegend wildſchön und ragten
die hohe Menturella, wo der Einſiedel hauſt, und von der
andern Seit' die kahlen, ſteilen Mamellen ſtolz in die
Niederung herab — der Weg aber hörte auf, und war
5 moraſtig Erdreich, ſo am Stiefel hängenblieb; und machte
uns ſo unwirſch, daß Meiſter Andrèe ſchier dem Pfaff von
Pisciano, ſo mit ſeinem Brevier am Weg ſtand und über
die fremden Wandersmänner, die „zu ihrem Vergnügen“
am 2. Fanuary des Wegs kamen, lachte, ſeinen Hut an—
10 getrieben hätt'; war auch von itzt an über die Abruzzen
völlig beruhigt, zumal da er, ob unkundigen Eſelsritts am
Tag zuvor, ſich mit eynem Wolf zu ſchleppen hatte, und
gab ihm der württembergiſch' Gelehrt' mit naturgeſchicht—
licher Zergliederung von Weſen und Art „des Wolfs tief
1s in den Abbruzzen“ die erlittene Unbill mannigfach zurück.
Beſſerte ſich hernachmals unter dem hohen Neſt Siciliano
die Straß' merklich, und ergingen wir uns in vielfach
archäologiſcher Betrachtung über Trünmmer am Weg,
maßen hierlands die Villa des Horatius ungefähr gelegen,
20 tauften auch eynen Brunnen „Zum banduſiſchen Quell“,
war aber die Pietät für den alten poetam nit ſo groß, daß
wir aus beſagtem Quell getrunken hätten.
Erſchauten auch auf den Hügeln am Anio viel große
cyclopiſche Grundmauern und Ruinen, die Reſt' der
25 Städte Empulum und Sassulae, und ſtand eyne eynſame
Oſterie am Weg, mit antikem Gemäuer und eynem Grab—
altar, das Caſal von Ampligione, und war die Straß' öd'
und menſchenleer, und ſaßen am ſchmalen Eichtiſch drin—
nen etzliche wüſte Geſellen, und wiewohl Ernſt Förſter
30 ſo ſchön ſagt: „Selten oder nie wird man in Italien eynen
Betrunkenen finden“, ſo hatte der Wirt doch bereits eynen
großen Brand, und wie er das Brot auf den Liſch ſtellt,
fahrt er mit ſeinem ſpitzen Boviemeſſer eynem von uns
am Leib vorbei, mit dem unzweydeutigen Geſtus des
35 Aufſchlitzens und ſagt: „Cosi si ammazza la gente“.“
Wurde durch dieſen Gruß die Gemütlichkeit alſo erhöht,
* So bringt man einen Menſchen um.
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