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360 Epiſteln.
Ich ſchlug indes ruhig einen Zipfel meines Schals
über die Schulter und gedachte im ſtillen: dieſen Edeln
hat mein Freund v. Preen* wohl auch ſchon hinterwärts
gebunden — und muſterte ihn flüchtig, da ſeine Manieren
für die eines Schneiders zu entſchieden und prononciert,
für die eines Schuſters zu handfeſt waren.
Da erſah ich denn bald am Daumen und Mittelfinger
ſeiner Rechten, wo bei andern viel Nadel- und Ahlſtiche
ſitzen, eine feſte Hornhaut und Schwielen und wußte, daß
mein Mann ein Zimmermann oder Tiſchler war. Er aber
hielt dem Frauenzimmer von Kriegshaber noch einen
längeren Vortrag über Konſtitution und Gewiſſensfreiheit
und „Saupfaffen“ und anderes, was er in Mannheim
erlernt, der mit ſolchen Brocken von „Läſterung“ und
„frechem, unehrerbietigem Tadel beſtehender Einrichtun—
gen“ gewürzt war, daß ihm ein geübter Kriminaliſt ſchon
halbwegs vor Augsburg über anderthalb Fahr Kreis—
gefängnis oder Arbeitshaus hätte nachrechnen mögen.
Seine Landsmännin aber hielt zuletzt den Schurz vor ihr
Antlitz und ſprach: „Jetzt hat's mi ſchon ganz ſiedig heiß
überlaufen mit Ihrem Malefiz-Mannheim!“
Unterd es war der Unbekannte im druckkattunenen Frack
unter der Bluſe aus ſeinem bleiernen Schlaf erwacht,
ſchaute ſich gähnend um und ſprach: „Grüez/i!“ worauf
ihm jedoch keine geeignete Antwort zuteil ward, da man 25
ihn nicht verſtand und ich in meiner Ecke keine Luſt hatte,
zwiſchen den Männern von FIſar und Lech und einem vom
„Züriſee“ den Dolmetſch zu machen. Darauf fragte er,
ob in München wohlfeil ein Privatlogis zu bekommen ſei,
und ward abermals nicht verſtanden, und nach zweimali- 30
ger Wiederholung der Frage ſprach der Mann von Kriegs⸗
haber, der in ſeiner Fugend in Algier geweſen: „Ah ſo —
logement, vous cherchez un logement?“ — ſo daß hier
der vollſtändigſte Gegenſatz zu jenem Voſſiſchen Idylli
* 1848 als Unterſuchungsrichter in Heidelberg Vorgeſetzter des 35
Verfaſſers.
1 Richtiger: dem „Hymnus“, betitelt: „Die Weihe“,
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