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366 Epiſteln.
weſende Dritte, die ſich über Germersheimer Garniſons⸗
verhältniſſe unterhalten, unmöglich geworden, iſt der un—
bekannt getretene Reiſende ermächtigt, beim Ausſteigen
im Bahnhof dem Gegenüber den Fiaker, in dem er ſelbſt
zur Stadt fährt, zur Verfügung zu ſtellen mit der Bitte,
ihm anzugeben, wohin er zu fahren habe? —
Da indes die Dame im Hermelinmantel ihr Haupt in
die Ecke geneigt und dem Schlummer ſich ergeben, was
ſie durch ein eigentümlich graziöſes Schnarchen kundgab,
neigte ſich meine Seele wieder zur Vermutung, die Frage
an den Kondukteur möge auf klarer Selbſtkenntnis dieſer
Eigenſchaft melodiſchen Schnarchens, ſomit im Wunſch
einer zu Frommen aller Mitreiſenden zu bewerkſtelligen⸗
den Iſolierung beruht haben, wodurch die übrigen Hypo⸗
theſen in ſich zuſammenfielen — ſo daß ich ſie dem hoch—
würdigen Engeren als annoch ungelöſte Probleme über-
geben muß... Wie ich mir, ſelbſt ein ſchlaftrunkener
Mann, im Münchner Bahnhof die Augen rieb, war ich
auch bereits in einen Omnibus geſchoben, und ſie, die
Urſacherin all dieſer Erwägungen, ſtand auf dem Perron
und hatte weder Gardedame noch eigenen Wagen zu ihrer
Verfügung, ſondern einen einfachen Fiaker — und mein
Nachbar tat ſeinen weißen Kaſtorhut ab und wandte wie
ich ſein Haupt nach dem Hermelin des Mantels und ſprach
wohlwollend wie alle Münchner, die einen Fremden über
ihre Merkwürdigkeiten aufklären wollen:
„Sie, wiſſen S' wer des is? des is die berühmte N...“
Aber wer die berühmte N. wirklich war, darf ich eynem
löblichen Engeren aus ſchuldiger Diskretion und im Inter-
eſſe objektiver Prüfung meiner Fragen, die anſonſt weſent⸗
lich getrübt werden könnte, nicht verraten, um ſo mehr,
als es nicht undenkbar ſein könnte, daß ich ſelber, wenn
die Offenbarung des Manns mit dem Kaſtorhut früher
ſich zu mir herabgeſenkt, wohl mit Rückſicht auf Frage 3)
nicht an ſeiner Seite im Omnibus über den Karlsplatz
gefahren wäre. — —
„Sie haben wohl erfahren, daß heute das Maifeſt
hieſiger Künſtlerſchaft gefeiert wird?“ ſprach mein Freund,
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