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372 Epiſteln.
meine und trug einen elfenbeingeſchnittenen Knopf mit
ſilbernem Plättchen.
Und der Eindruck war gar feierlich, maßen die ehernen
Bildſäulen der Helden deutſcher Geſchichte und Sage als
ehrenwerte Grabhüter des Kaiſers Sarkophag umſtehen,
und dem Namen der braven Stückgießer Gregorius Loeff
ler und Johannes Lendenſtreich zu einem ewigen Ruhm
gereichen — und muſterten wir ſie lange Zeit, vom träu—
meriſch eleganten Oſtgoten Theoderich an bis zu des Heili⸗
gen Römiſchen Reichs Stiefvater Friedrich III. in ſeinem
brokatenen Schlafrock, und war ich im Vorüberſtreifen
von eines kroatiſchen Soldaten Andacht ſehr erbaut, der
vor Chlodoväus des Merowingers Erzbild kniete und aus
vergriffenem lateiniſchem Gebetbuch Gebete ſtammelte,
und tat uns ſchier leid, ihn geſtört zu haben; denn wie
wir dem Chor entgegenſchritten, ſtand er auf und ſchlich
demütig von dannen, während ich die hochmütige Re—
flexion anſtellte, daß bei näherem Studium des Gregorius
von Tours' und anderer dieſer kroatiſche Kriegsmann ſich
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vielleicht veranlaßt ſehen dürfte, einen anderweiten Schutz- 20
patron zu erwählen... Wie wir aber von der trefflichen
ehernen Grabgeſellſchaft uns verabſchiedet hatten, ſiehe
da ſtand am Portal mein ſchwarzer Hakenſtock noch in⸗
tatt, wie ich ihn dereinſt aus Freudenbergers Hand emp—
fangen, aber des Meiſters Anſelmus Elfenbeinſtäbchen
war verſchwunden und vertragen, und ward nicht mehr
geſehen.
Es hat ſonach doch etwas zu bedeuten, wenn ein Kroat
zwiſchen Licht und Dunkel zu Chlodoväus dem Mero—
winger betet.
Ich tröſtete meinen Freund, daß gottlob keine Statuen
von Brunhilde und Fredegunde und den andern Mero—
winger weiblichen Heiligen vorhanden ſeien, denn die
würden ihren Anbetern jedenfalls in dem Maße gnädig
ſein, daß wir leichtlich ohne Rock und Hoſen zu unſerm 35
goldenen Stern heimkehren könnten.
1 Der von den Freveltaten Chlodwigs erzählt.
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