Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 374
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0374
374 Epiſteln.

1) Die Etymologie „Gotenſitz“ ſcheint unzweifelhaft,
maßen ich im Wirtshaus zwei ortseingeborne Fuhrleute
mit einem alten Gaſtfreund beobachtete, die ihre Maß—
krüge ſo eigentümlich ſchnell austranken, während ſie ihre
Tabakspfeifen ſo eigentümlich langſam ſtopften und beim
Feuerſchlagen eine phlegmatiſche Ruhe entwickelten, wie
ſolche nur den Germanen reinſten Stammes charakteri—
ſiert und mit dem Gebaren zweier ſchwediſch-gotiſcher
Matroſen, dem ich einſt im Hafen zu Livorno Zeuge war,
vollkommen übereinſtimmte.
2) Vom Schmied Weland weiß kein Menſch was, und
dürfte daher die auch in ein neueres Werk „Ekkehard“,
Kap. 20 aufgenommene Sage gänzlich erlogen ſein.
Überhaupt ſcheint es ſehr zweckmäßig, daß der Schmied
Weland und all' die fabelhaften Zwerge und Waldſchmiede
ſich ins Dunkel zurückgezogen, maßen, wenn heut auf der
Pariſer Induſtrieausſtellung ein „Mr. Weland, marchand
en ferreries et articles de cuivre et d'acier“ ſeine Pro—
dukte einreichte, er die Konkurrenz mit den Belgiern und
der weſtfäliſchen Firma Cropp u. Cie. oder Knecht in
Solingen ſchwerlich zu beſtehen vermöchte, ſein Stand—
punkt vielmehr als ein antediluvianiſcher zurückgewieſen
würde. L
3) Der Metzger von Goſſenſaß, der einſtmals im Hin—
terdux gleichzeitig die Bekanntſchaft L. Steubs und des
Brunnhäuſſers machte, lebt noch. — —
In Sterzing wird die Landſchaft etwas intereſſanter.
„Hier iſt auch das Sterzinger Moos“, ſprach die freund—
liche Kammerjungfer der Gräfin Trapp, die bei uns im
Coupẽé ſaß, „wo die alten Fungfern zur Straf' hineinver-
zaubert werden; die müſſen tief unten da kochen und
ſchaffen und beten, und müſſen gar lange Zeit haben“.
In dem Ausdruck, mit dem ſie von dieſem Moos ſprach,
lag eine Art feſter Zuverſicht, daß ihre eigene Zukunft ſie
niemals in dieſe ſumpfigen Tiefen führen werde. Da mir
in ihrer Andeutung ein Stück alter, noch unbekannter
Volksſage zu liegen ſchien, forſchte ich nach den Quellen
dieſer Tradition, worauf ſie mir das Innsbrucker Wochen-

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