Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 375
(PDF, 113 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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Venertaniſche Epiſtel. 375

blatt nannte, in dem hie und da ſo „gſpaſſige Gſchichten
ſtünden.
Jenſeits Sterzing bezeichneten zwei umgeriſſene
Straßenſteine, einige Fetzen eines Wagenrades und viel
5 Glasſcherben den Ort, wo der Stellwagen der Meraner
Schützen einen gänzlichen Untergang gefunden, wozu bei
der nicht gefährlichen Beſchaffenheit der Straße der Um—
ſtand mitgewirkt haben mag, daß die edeln Etſchtalmänner
ein großes Quantum Lebenberger als Herzſtärkung mit
10 ſich im Reiſewagen führten.
Über Brixen lag ein Ausdruck ſchwerſter Verſimplung,
der auch dadurch nicht gemildert wurde, daß der Gaſthof
zum Andenken an den erſten in Brixen durchgeführten
Elefanten anno 1566 ſeinen Namen hienach erhalten, und
1s daß der Wirt zur Bequemlichkeit der durchreiſenden
Herren Geiſtlichen im zweiten Stock eine Kapelle hat
bauen laſſen.
Da das Reiſen im Stellwagen die Annehmlichkeit hat,
daß der Menſch vor vier Uhr in der Frühe aufſtehen muß,
20 ſomit den Vormittag wieder im Wagen ſchläft, iſt vom
weitern Verlauf des Eiſacktals bis Bozen nichts zu ver—
melden, als daß dasſelbe viel rauhe, felſige Partien ent-
hält, und daß zurzeit viel über die dereinſt hier durchzu—
führende Eiſenbahn geſpottet wird. So aber je ein Mit—
25 glied des Engeren durch jene Felsſchluchten gen Bozen
pilgert, möge er ſeinen Stab in dem nahen Dörflein
Otten in die Erde ſtoßen und ſich dort einen Trunk Roten
vorſetzen laſſen, und wenn er ihm alſo mundet wie mir
ſelber, wird er ſich nicht zu beklagen haben, wiewohl ich
30 hier eine ſchlimme Geſchichte erlebt.
Hatte nämlich in Deutſchland ein feierlich Gelübde ge—
tan, den erſten Menſchen italieniſchen Stammes, der mir
auf dieſer Reiſe begegnen würde, in ſolenner Weiſe zu
begrüßen, und zwar wenn es ein Weſen weiblichen Ge-
35 ſchlechtes wäre, ſie zu umarmen und küſſen, was, wie ich
glaube, als ein der Madonna geweihtes voto nicht ver-
übelt werden kann, — wenn aber ein Mann, ihm ſofort
eine Maß vom Beſten zu bezahlen und mit ihm anſtoßend


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